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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



Startseite · CD zum Sonntag

23. — 29. Juli 2022

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Ihre erste Sinfonie war das erste Werk einer Afroamerikanerin, das je in einem Konzerthaus aufgeführt wurde: Florence Price schrieb packende, unmittelbar emotional ansprechende Musik, und geriet dennoch nach 1940 in Vergessenheit. Geboren wurde sie 1887 in Arkansas im Süden der USA. Sie war ein Wunderkind, das unter der musikalischen Obhut der Mutter schon mit vier Jahren als Pianistin auftrat. Der Vater war Zahnarzt, durch seinen vergleichsweise privilegierten Status hatte Florence die Möglichkeit, Musik zu studieren. Ihre Hauptfächer waren Komposition und Orgel. Als der Rassismus im Süden immer mehr zunahm, zog Price mit ihrem Mann, dem Rechtsanwalt Thomas Price, nach Chicago. Der erwies sich als gewalttätig, weshalb sie sich wieder scheiden ließ. Von da an lebte sie von Klavierunterricht und Aufträgen für Easy-Listening-Songs. Obwohl ihre Ausbildung vom Kanon der europäischen Kunstmusik geprägt war, zeigen Price’ Kompositionen auch deutliche Einflüsse amerikanischer Musik der Südstaaten. Des Weiteren verwendete sie Elemente afroamerikanischer Kirchenmusik wie Spirituals, außerdem finden sich Blues-Harmonik und Ragtime-Rhythmen in ihren Stücken. Nun hat die in England lebende, amerikanische Pianistin Kirsten Johnson eine Auswahl der Klaviermusik von Florence Price auf zwei CDs eingespielt. Es sind originelle und mitreißende Kompositionen, die teilweise europäische Gattungsbezeichnungen wie Prélude oder Sonate tragen, teilweise jedoch auch programmatisch von Alltagsszenen der afroamerikanischen Community geprägt sind. So gibt es etwa eine Sammlung von acht Stücken, die den Titel „Ein Tag im Leben einer Waschfrau“ trägt. Kirsten Johnson spielt diese Werke emotional engagiert und mit viel rhythmischem Drive.


16. — 22. Juli 2022

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A kind of cool: Es sind die kalkulierten Ungenauigkeiten und leicht verschleppten Rhythmen über dem Off-Beat, dazu die offenen, jazzigen Harmonien, die in den 50er-Jahren das Lebensgefühl der jungen Brasilianerinnen und Brasilianer treffen. Die Vargas-Diktatur ist vorüber, man hat Lust auf Leichtigkeit und Leben und die Bossa Nova, eine Melange aus Samba und Einflüssen des Jazz, dazu mit eher tief und entspannt gesungenen, fast genuschelten Texten, die vor Hitze des Sommers wie benommen scheinen, bringt all das genau auf den Punkt. Doch die Bossa Nova wäre vielleicht ein brasilianisches Phänomen geblieben, hätte man nicht Antônio Carlos Jobim, João Gilberto und andere 1962 in die New Yorker Carnegie Hall zum Bossa-Nova-Festival eingeladen, wo sie Nordamerika im Sturm eroberten. Das Doppelalbum Getz/Gilberto mit dem Jazzer Stan Getz war der Durchbruch der Bossa Nova in der Popularmusik, während sie als Musikstil in Brasilien ihren Zenit bereits überschritten hatte.
Für Plínio Fernandes aus São Paulo war es nicht New York, sondern London, das ihm den Wendepunkt in der musikalischen Karriere bescherte. Denn der 23-jährige Gitarrist schaffte es, einen Studienplatz an der Royal Academy of Music zu ergattern, und das mit einem Stipendium des brasilianischen Kultusministeriums. Zuvor bracht er jedoch schon in seinem 12. Lebensjahr bei Gitarrenwettbewerben die Professoren zum Staunen, bekam Unterricht bei Henrique Pinto und später in London bei dessen Schüler Fabio Zanon. Sein Debütalbum „Saudade“ (Sehnsucht) knüpft zunächst an die bittersüße Leichtigkeit der Bossa Nova-Zeit an, deren Schlager es sowohl in technisch anspruchsvollen Arrangements überhöht und mit Klassikern etwa von Villa-Lobos kombiniert. Fernandes‘ Spiel ist so zugleich eine Hommage an die instrumentalen Fertigkeiten eines João Gilberto wie auch eine Liebeserklärung an sein Heimatland. Und damit auch genau das richtige Album für eine Woche mit tropischen Temperaturen.


09. — 15. Juli 2022

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Die Freuden des Alltags – „Übersende unterdessen Euer Wohledlen die Sinfonie, welche so voller Fehler war, daß man den Kerl, so es geschrieben, die Bratze abhauen sollte“, schreibt Joseph Haydn an seinen Verleger Artaria. Der Korrekturabzug, den er mit diesen zurücksendet, ist die Klavierfassung seiner Sinfonie Nr. 69. Alles hier dient der Verkaufsförderung. Nicht nur lässt Artaria auf die Noten den Namen des beliebten österreichischen Feldmarschall Laudon drucken, als wenn’s ein Merchandising-Artikel wäre. Verkaufsfördernd ist das ganze System, mit dem Haydn als Kapellmeister in fürstlich-esterházyschen Diensten seine Sinfonien in Wien drucken und in der ganzen Welt verteilen lässt. Später einmal beschert das dem frisch Berenteten eine Einladung nach London, wo er als Neuankömmling zu seinem Erstaunen bereits auf ein riesiges Fan-Publikum trifft. Dass Haydn in den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts zugleich das Opernhaus von Ésterháza als Impresario leitet und dafür Opern in rascher Folge komponiert, hat sich in der Meinung einiger Biografen auf die Qualität der zeitgleich entstandenen Sinfonien angeblich negativ in routiniertem Abarbeiten ausgewirkt. Nichts davon ist freilich zu hören in der inzwischen zwölften Folge der Sinfonien-Gesamtaufnahme, die Giovanni Antonini mit dem Kammerorchester Basel gerade veröffentlicht hat. „Les Jeux et les plaisirs“ hat er der Zusammenstellung als Motto mitgeben, was vordergründig auf die Spielzeug-Sinfonie Hob.II:47 zutreffen mag. Auf den zweiten Blick passt es aber auf alle hier versammelten Werke, die Sinfonien Nr. 61, 66 und 69 „Laudon“, in ihrem souveränen, luxuriösen Anspruch auf Unterhaltung auf höchstem Niveau. Antonini treibt die Dynamik und die Spannungsbögen in die Extreme, lässt die Pauken lederschlegelig poltern und das Orchester in Tutti-Schlägen donnern. Hier ist nichts brav, und auch das Liebliche und bei Haydn bewusst Melodiöse der langsamen Sätze scheint in seiner Wehmut mit einer Prise Ironie gesalzen zu sein. Gerade die vom Haydn-Forscher Robbins Landon als fad kritisierte Nr. 69 gewinnt hier an großzügigem Schwung und weltläufiger Eleganz. Und das Finale steigert sich aus dem geheimnisvollen Beginn der flüsternden Streicher zu einer mit Trompeten und Hörnern festlich angefachten Militärmusik zu Ehren des alten Feldmarschalls.


02. — 08. Juli 2022

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Traditions-Linien: Mit seiner „Lachrimae“-Pavane habe John Dowland nicht nur ein exzellentes Musikstück für Laute komponiert, sondern einen sinnierenden, wehmütigen und nachhorchenden Ton angeschlagen, der für mehrere Jahrhunderte im Lautenrepertoire den Stil vorgegeben hat, ist sich der baskische Lautenist Enrique Solinís sicher. So nennt er sein neues Album „Ars Lachrimae“, hat aber nicht Dowland eingespielt, sondern den Blick auf seine Nachfolger gelegt. Zwei Suiten von Johann Sebastian Bach rahmen Werke der von ihm verehrten Komponisten Dietrich Buxtehude und Johann Jakob Froberger ein. Der Booklettext lenkt dabei das Augenmerk auf die Querbezüge zwischen französischen Cembalisten und dem Lautenrepertoire, nicht nur in der Übernahme der Suitenform, also der Abfolge französischer Tanzsätze auch auf der deutschen Laute, sondern auch musikalisch, etwa im rauschend arpeggierten style brisé (wie er noch das C-Dur-Präludium von Bachs erstem Band des Wohltemperierten Klaviers beherrscht) oder in der zeitlichen Organisation polyfoner Linien zum Zweck besserer Hörbarkeit. Greifbar wird diese Verwandtschaft im Lautenclavier, einem seltsamen Mischinstrument mit übergroßem Lautenkorpus und Tastatur. Bach besaß selbst drei solche Instrumente. Unter Solinís Fingern auf Erzlaute und Barocklaute bekommt die musizierende Haltung der Innenschau und des Nachdenklichen in diesem Repertoire großes Gewicht. Seine stille Eleganz und Mühelosigkeit der Darbietung ist dabei getragen von einer atemberaubenden technischen Präzision. Man höre allein, wie gestochen scharf er die Triller setzt, bei gleichzeitig samtweichem Verklingen. Und so ist man beglückt, dem baskischen Lautenisten eine Stunde der süßen Schwermut lang einfach nur lauschen zu dürfen.


25. Juni — 01. Juli 2022

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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin.
Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten Richard Bona, durch seine Anregungen konnte sie sich als Arrangeurin und Komponistin weiterentwickeln. 2014 erschien ihr Debütalbum, das ausschließlich Eigenkompositionen umfasst und für viel Aufsehen sorgte, 2018 kam Album Nr. 2 auf den Markt, auf dem Eva Jagun auch portugiesisch singt.
Mitte Juni erschien nun mit „Transatlântico“ ihr drittes Album. Es umfasst 12 Eigenkompositionen und bewegt sich wie seine Vorgänger stilistisch zwischen Jazz, Pop, Bossa Nova und Samba. Darauf singt die Wahlberlinerin mit ihrer wunderbar leichten mädchenhaften Stimme in Anlehnung an die poetisch-metaphorische Sprache des Bossa Novas über Abschiede, Entbehrungen und natürlich die Liebe, wie sie entsteht und wieder vergeht. Eine tolle Musik für laue Sommerabende!


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Eigentlich plante Gustav Holst eine Pianistenkarriere, eine Nervenentzündung im rechten Arm zwang ihn jedoch dazu, sich umzuorientieren. So wandte er sich der Komposition zu und begann ein Kontrapunktstudium in Oxford. Sein Kollege Ralph Vaughan Williams hatte bereits zwei Jahre in London studiert und war anschließend nach Cambridge gegangen. 1895 trafen sich schließlich beide am Londoner Royal College of Music, daraus entstand eine der dauerhaftesten Freundschaften in der britischen […] mehr


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