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N° 1282
03. - 09.12.2022

nächste Aktualisierung
am 10.12.2022



Startseite · CD zum Sonntag

03. — 09. Dezember 2022

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Wohl kaum ein Künstler hat so viel für die Entwicklung und Erneuerung des argentinischen Tangos getan wie der argentinische Komponist und Bandoneon-Virtuose Astor Piazzolla. 2021 hätte er seinen 100. Geburtstag gefeiert, aus diesem Anlass spielte der junge dänische Akkordeonist Bjarke Mogensen in jenem Jahr ein Album mit den wichtigsten Werken des Tango-Nuevo-Königs ein. Als musikalische Partner für dieses Projekt wählte er seinen Landsmann Mathias Heise, der zu den führenden Mundharmonika-Virtuosen Dänemarks gehört, den vielfach ausgezeichneten schwedischen Perkussionisten Johan Bridger sowie einige Musiker der Danish Chamber Players, eines achtköpfigen dänischen Kammermusikensembles. Mit grandiosem tänzerischen Schwung, Temperament und Leidenschaft bringen sie Piazzollas zeitlose Meisterwerke zum Klingen und zeigen, dass man sich auch in nordischen Gefilden auf stilechte Interpretation argentinischer Musik versteht.


26. November — 02. Dezember 2022

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Beim Namen Galilei denkt man sofort an den genialen Mathematiker und Astronomen Galileo Galilei, der mit seiner exakten Messmethodik die modernen Naturwissenschaften maßgeblich mitbegründete. Doch zur Familie Galilei gehörten auch zwei bedeutende Musiker: Galileos Bruder Michelangelo Galilei und der gemeinsame Vater Vincenzo Galilei. Beide waren hervorragende Lautenisten, Vincenzo setzte sich auch intensiv mit den physikalisch-akustischen Grundlagen der Musikproduktion auseinander und verfasste Schriften über die Stimmung der Laute. Er komponierte neben monodischen (einstimmigen) Werken mit Lautenbegleitung, die leider nicht erhalten sind, einige mehrstimmige Madrigale und Lautenstücke. Sein Sohn Michelangelo schrieb bereits Werke, die von der Ästhetik des Frühbarock geprägt waren. Der Freiburger Lautenist interpretiert diese schnörkellosen Werke aus Renaissance und Frühbarock mit klarem Ton in natürlichem Fluss ohne agogische Mätzchen.


19. — 25. November 2022

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Der größte Erfolg des tschechisch-jüdischen Komponisten Jaromír Weinberger war seine Oper „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“, die im Jahr 1927 entstand. Sie erlebte weltweit zahlreiche Aufführungen, bis 1931 wurde sie über 2.000 mal gespielt. Und seine Operette „Frühlingsstürme“ war die „letzte Operette der Weimarer Republik“, sie wurde 1933 in Berlin von den Nazis abgesetzt. Danach galt Weinberger als verfemter Komponist, dessen Werke nicht mehr aufgeführt werden dürfen. Der große Erfolg von Weinberger als Opernkomponist verdrängte jedoch auch damals schon die Tatsache, dass der Schüler von Max Reger auch eine ganze Reihe sehr origineller Klavierwerke schrieb.
Der österreichische Pianist Gottlieb Wallisch hat diese Stücke nun wiederentdeckt und als erster Pianist überhaupt auf CD eingespielt. Voller Enthusiasmus äußert er sich über Weinbergers Klavierwerke: „Es ist eine Musik voller Farben, voller Lust an Klängen, mit teilweise unbändiger pianistischer Freude und Kraft – gleichzeitig aber auf einem immens großen geistigen Gerüst aufgebaut, vielschichtig, teilweise komplex polyphon, oft orchestral gedacht und gesetzt.“
Sehr virtuos und bisweilen etwas düster klingt die zweite Klaviersonate, während die dritte Sonate sehr vom Neoklassizismus geprägt ist, aber auch impressionistische Farben zeigt. Kontrapunktische Meisterschaft hingegen beweisen die als „Gravures“ bezeichneten „Cinq Preludes et Fugues“ (1923), andere Stücke wiederum sind von böhmischer Volksmusik beeinflusst.
Gottlieb Wallisch spielt diese Werke mit großer Lust am Virtuosen, viel Klangsinn und Freude am Wechsel der Charaktere. Hier ist wirklich ein außergewöhnlich interessantes Œuvre entdeckt worden. Chapeau!


12. — 18. November 2022

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Anders als Georg Philipp Telemanns Flöten-Fantasien werden seine „12 Fantasien für die Violine ohne Bass“ aus dem Jahr 1735 heute kaum öffentlich gespielt, was sicherlich mit den gewichtigen Sonaten und Partiten von Bach zu tun hat, die als Monolith der Genialität alle Solo-Violinwerke überragen. Manche haben Telemanns Fantasien als reine Schülerstücke betrachtet, die man bewältigen muss, bevor man sich den „richtigen“ Stücken zuwendet. Damit tut man Telemanns Fantasien jedoch unrecht. Sicherlich handelt es sich bei ihnen um nicht sehr komplexe Werke, die auch ein ambitionierter Amateurgeiger technisch gut bewältigen kann; trotzdem bringen sie eine hohe musikalische Qualität mit. Telemann wagt hier einen Spagat zwischen der alten Kunstform wie etwa der Fuge und dem damals neuartigen galanten Stil. Die junge rumänische Geigerin Anca Vasile Caraman interpretiert die Fantasien ohne agogische Mätzchen in natürlichem Fluss, mit schlankem Ton und dezentem Vibrato-Einsatz. So macht Telemann Spaß.


05. — 11. November 2022

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Sein a-Moll-Streichquartett op. 13 schrieb Mendelssohn mit 18 Jahren, es zählt zu seinen bedeutendsten Frühwerken. Das Stück entstand 1827 nach dem Tod von Beethoven und weist eine ganze Reihe Bezüge zum Bonner Meister auf. So orientierte sich der junge Mendelssohn in seiner experimentellen Schreibweise an Beethovens spätem Quartett op. 132. Ein weiteres Beethoven-Element findet sich im Adagio. Dort verwendete Mendelssohn ein Thema aus dem Andante von Beethovens siebter Sinfonie.
Auch Mendelssohns zweites Quartett in Es-Dur op. 12, das zwei Jahre später entstand, zeigt Verbindungen zu Beethovens späten Streichquartetten op. 127 und op. 130. Die Canzonetta gehört mit ihrem sehnsüchtigen Gesangscharakter zu Mendelssohns schönsten Kammermusiksätzen. Auffallend kurz ist der ebenfalls sehr kantabel gestaltete langsame Satz, während das Finale Themen aus dem Kopfsatz aufgreift und das Quartett dadurch zyklisch abrundet.
1838 schrieb Mendelssohn das Quartett in D-Dur op. 44,1. Es entstand als letztes Werk einer dreiteiligen Serie und gehört zum Typus eines „Quatuor brillant“, in dem die erste Violine dominiert. Bereits das einleitende „Allegro vivace“ gleicht einem Konzertsatz, in dem die erste Violine von den drei anderen Instrumenten meist begleitet wird – oft sogar mit orchestralen Tremoli und Pauken-Imitationen im Violoncello.
Das Quatuor Van Kuijk stammt aus Frankreich, feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Bestehen und zeichnet sich durch eine exzellente Klangkultur und makellose Intonation aus. Die vier Musiker interpretieren Mendelssohns Werke lebhaft schwungvoll in den flotten Ecksätzen und wunderbar kantabel mit großem romantischen Ton in den langsamen Sätzen.


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