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N° 1255
28.05. - 03.06.2022

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am 04.06.2022



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28. Mai — 03. Juni 2022

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Zwischen den Welten: Eine Ausnahmeerscheinung in jeder Hinsicht war er, dieser Joseph Bologne, Chévalier de Saint-Georges. Geboren als Sohn eines französischen Adeligen und dessen senegalesischer Haussklavin, musste er bereits als Kleinkind aus Guadeloupe nach Frankreich fliehen. Sein Vater hatte im Duell einen anderen Mann getötet und fürchtete, dass seine Sklavin und sein Sohn als Teil seines Besitzes arretiert und versteigert werden könnten. So erwirkte seine Frau Élisabeth die Erlaubnis, die beiden als Begleitung mit auf eine Reise zu nehmen. Seit dem „Code noir“ von Ludwig XIV. galten die Söhne von Franzosen und schwarzen Sklaven ebenfalls als unfrei. In der Realität wurden sie allerdings mit der Volljährigkeit in die Freiheit entlassen. George Bologne sorgte überdies klug für seinen Sohn vor, indem er ihn von klein auf im Fechten unterweisen ließ, denn das Führen einer Waffe war das „unbestechlichste“ Kennzeichen eines freien Mannes. Doch Joseph Bologne machte in Paris nicht nur mit dem Degen in diversen Schaukämpfen auf sich aufmerksam, er war auch am Bogen ein Meister. Und so kreuzt dieser weithin vergessene Name die Lebenswege von so ziemlich allen, die am Vorabend der französischen Revolution in der Musik etwas zu sagen hatten. Von François-Joseph Gossec wird er wahrscheinlich ausgebildet, dann übernimmt er 1769 zunächst Gossecs Orchestre des Amateurs, bevor er das berühmte Orchester Concert de la Loge Olympique gründet. Er war es zum Beispiel, der bei seinem Namensvetter Haydn die „Pariser Sinfonien“ bestellte. Und er wohnte bei Baron Grimm zur selben Zeit, als der auf Konzertreise durch ihren Tod plötzlich mutterlos gewordene Wolfgang Amadeus Mozart dort 1778 Unterschlupf fand – es ist unwahrscheinlich, dass sie sich nicht über Musik unterhalten hätten. Die Kompositionen Saint-Georges – Sinfonien, Streichquartette und Duos für zwei Violinen – erreichen zwar nie die Fallhöhe der Wiener Klassiker, dafür hatte er auch zu viele Interessen. Doch es sind angenehm unterhaltsame Werke, mal konventionell, mal mit sprühenden Einfällen. Und es schließt eine Lücke, wenn man wie im Falle des Labels Naxos (nicht erst im Zuge der jüngsten Debatten, sondern beharrlich und schon seit geraumer Zeit) dem Chévalier de Saint-Georges, diesem Wanderer zwischen Karibik und Weltstadt, Ancien régime und Revolutionsarmee, mit so ernsthaften und hochmusikalischen Einspielungen (wie hier das Arabella Quartett bei den Streichquartetten) wieder Gehör verschafft.

21. — 27. Mai 2022

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Der Klarinettist Sebastian Manz und der Pianist Herbert Schuch sind beide anerkannte Meister auf ihrem Instrument. Für ihr neues Album bei Berlin Classics haben sie sich zusammengetan, um drei bedeutende Duowerke der Romantik gemeinsam zu durchschreiten, die auf raffinierte Art und Weise die Klarinettenstimme mit dem Klavierpart verweben: Johannes Brahms’ zwei Klarinettensonaten, die dieser dem damaligen Starklarinettisten Richard Mühlfeld auf den Leib schrieb, die späten Fantasiestücke op. 73 von Robert Schumann sowie die 15 Jahre später entstandenen Fantasiestücke op. 43 von Niels Wilhelm Gade. Insgesamt sind die Werke des dänischen Romantikers, der von Mendelssohn wie auch von Schumann als Komponist sehr geschätzt wurde, bei uns nicht sehr präsent im Konzertleben, seine Fantasiestücke jedoch erfreuen sich bei den Klarinettisten großer Beliebtheit.
Manz und Schuch interpretieren diese Musik mit juvenilem Schwung und musikantischem Zugriff. Wo es verlangt wird, arbeiten sie jedoch auch die nostalgisch verbrämte Melancholie in den Werken heraus, etwa in den späten Brahms-Sonaten, die drei Jahre vor dem Tod des Komponisten entstanden. Insbesondere Sebastian Manz gestaltet sein Spiel hier dynamisch fein abgestuft und klangsensibel. So entstand ein berührendes Duoalbum zweier exzellenter Interpreten.

14. — 20. Mai 2022

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Freiluftmusik: Es muss schon eine besondere Ehre sein, sich als erwählter Liebling eines gekrönten Hauptes zu fühlen. Richard Wagner könnte ein Lied davon singen, aber auch James Paisible. Sagt Ihnen nichts? Jacques oder James Paisible war ein Franzose und im Gefolge Robert Camberts nach England gekommen. Dieser war enttäuscht davon, dass ihn der Italiener Giovanni Battista Lulli (oder später: Lully) aus dem französischen Musikleben verdrängt hatte, wollte daraufhin mit ein paar Musikern sein Glück in England probieren – und wurde begeistert aufgenommen. Und James Paisible schaffte es gar zum Lieblingskomponisten von Queen Anne – und zum Leiter ihres Oboenensembles. La Pétite Ecurie bricht auf seinem neuen Album nun eine Lanze für „The Queen’s Favourites“ – was neben Paisible auch den Böhmen Gottfried Finger und den „Orpheus britannicus“, Henry Purcell, mit einschließt. Und das auch mit einer besonderen Besetzung: 3 Oboen, Fagott und Perkussion bilden das ideale Ensemble für ein Freiluftkonzert, wie es die letzte Königin aus dem Hause Stuart geschätzt haben mag. In die teils festlich-gemessenen, teils lebhaften Ouvertüren von Paisible und Finger mischt sich mit Auszügen aus Purcells „Fairy Queen“ und „King Arthur“ auch eine ordentliche Prise Theaterluft. Mit einem Wort: Eine herrliche Unterhaltungsmusik für einen Sommernachmittag im Grünen.

07. — 13. Mai 2022

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Nach und nach erfahren die Werke von George Enescu erfreulicherweise mehr Beachtung. Nachdem Alexander Krichel die Musikwelt mit den romantisch-impressionistischen Klangwelten der zweiten Klaviersuite bekannt gemacht hatte, hat sich nun das Ensemble Raro seiner Kammermusik angenommen.

Die Musiker benannten sich nach dem weisen Meister Raro, einer fantastischen Gestalt aus Robert Schumanns imaginärem Künstlerkreis der „Davidsbündler“. Das Ensemble ist in seiner Besetzung flexibel, den Kern bilden die vier Gründungsmitglieder: die Pianistin Diana Ketler, der Geiger Alexander Sitkovetsky, der Bratschist Razvan Popovici sowie der Cellist Bernhard Naoki Hedenborg. Für die Enescu-Aufnahmen kamen die Geiger Gilles Apap und Anna-Liisa Bezrodny hinzu, sowie der Cellist Justus Grimm.

Eröffnungsstück des Albums ist das Klavierquintett in D-Dur, das Enescu im zarten Alter von fünfzehn Jahren schrieb, dabei ist die stilistische Nähe zu Johannes Brahms unverkennbar. Origineller fallen die poetischen Werke für Klavier und Streichtrio aus sowie das verträumte, an Skrjabin erinnernde Klavierstück „Hommage“. Den Höhepunkt des Albums bildet das namengebende „Impressions d’enfance“ (Deutsch: Eindrücke aus der Kindheit), in dem Enescu seine Erlebnisse aus Kindertagen wie einen nächtlichen Sturm oder das Zusammentreffen mit einem Bettler stimmungsvoll verarbeitete. Die sechs Musiker widmen sich diesen emotional unmittelbar berührenden Werken mit Herzblut und großem Einfühlungsvermögen. Ein gelungenes Plädoyer für Enescu!

23. — 29. April 2022

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Vasco Pimentel ist ein portugiesischer Jazzpianist. Zusammen mit dem Kontrabassisten Rodrigo Correia und dem Schlagzeuger Diogo Alexandre bildet er das Vasco Pimentel Trio, das sich ganz den Eigenkompositionen des Bandleaders verschrieben hat. Charakteristisch für Pimentels Musik ist, dass er in der rhythmischen Gestaltung mit der Erwartungshaltung der Zuhörer spielt und diese oft nicht erfüllt, dadurch entstehen ganz unterschiedliche Zeitebenen, die der Musik eine besondere Spannung verleihen. Auf dem aktuellen Album seines Trios „Walkabout“ klingt es mal lyrisch wie im titelgebenden Eröffnungsstück, mal nach Minimal Music wie in der Nummer „Preso por um. Als musikalische Einflüsse sind neben Esbjörn Svensson auch Keith Jarrett und der portugiesische Jazzpianist João Paulo Esteves da Silva zu nennen. Bemerkenswert ist, mit welcher Klangkultur Vasco Pimentel am Flügel agiert. Sein Klavierton ist so warm und nuancenreich, dass man sich zwischendurch fragt, wie er wohl ein Brahms-Intermezzo spielen würde. Auch seine Mitmusiker zeichnen sich durch besondere Klangsensibilität aus. Diogo Alexandre weiß am Schlagzeug immer genau, wie viel er geben muss, ohne sich aufzudrängen, und Rodrigo Correia lässt seinen Bass wunderbar sonor singen. Das Vasco Pimentel Trio ist ein gutes Beispiel dafür, dass guter europäischer Jazz nicht zwingend aus dem Norden kommen muss.

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