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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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18. — 24. September 2021

Wider dem Hässlichen


Nachdem zwei Splitter des teuflischen Spiegels ihm in Herz und Auge gelangten, wird Kai von der Schneekönigin entführt. In Sorge macht sich Gerda auf, ihren Freund zu suchen. Auf ihrem Weg in den hohen Norden reiht sich eine ereignisreiche Begegnung an die nächste. Da trifft sie Krähen, ein Räubermädchen, Prinz und Prinzessin, ein Rentier – und findet schließlich ihren Kai im Palast der Schneekönigin. Das ist die Geschichte von Hans Christian Andersens gern adaptiertem Märchen „Die Schneekönigin“, das der dänische Komponist Hans Abrahamsens für seine gleichnamige Oper in eine durchaus minimalistische, klar in der Tonalität beheimatete Musik gesetzt hat. Nach der Uraufführung 2019 in Kopenhagen und der Premiere der englischsprachigen Fassung an den Bayerischen Staatsoper inszenierten James Bonas und Grégoire Pont nun zum Spielzeitstart an der Straßburger Oper neu – und setzten der Hässlichkeit im gebrochenen Blick des Jungen Kai visuelle Power entgegen. Mit reichlich 3D-Animationen und viel Schneegestöber. Robert Houssart leitete das Orchestre philharmonique de Strasbourg in Vollbesetzung auf der Bühne, und das junge Straßburger Publikum feierte dicht an dicht die Rückkehr ins Opernhaus. Mit Maske, ja, aber ganz ohne Sicherheitsabstand. Man fühlte sich an präpandemische Zeiten erinnert. Fast wie im Märchen.

(Fotos: Klara Beck)




11. — 17. September 2021

Mit Freude kreiert


„Das Werk hat mich sofort angesprungen und fasziniert“, sagt die Geigerin Isabelle Faust über Igor Strawinskis „L’Histoire du Soldat“ im neuen RONDO. Von Schauspieler Dominique Horwitz wurde sie zum musikalischen Fabulieren dieser schrägen Geschichte eines mit dem Teufel paktierenden Geigers mitgerissen. Jetzt ist Isabelle Faust beim Musikfest Berlin zu Gast, das noch bis zum 20. September das Spätwerk Strawinskis bei insgesamt 34 Veranstaltungen in den Blick nimmt. Dessen 50. Todestag fällt in diesem Jahr überein mit dem 70-jährigen Bestehen der Berliner Festspiele. Neben besagtem „L’Histoire du Soldat“ (am 16.9.) kommen zur Feier des Doppeljubiläums auch François-Xavier Roth und sein Spezial-Ensemble Les Siècles nach Berlin, die Isabelle Faust beim Konzert in der Philharmonie (13.9.) unter anderem für „Le sacre du printemps“ zur Seite stehen. Daneben bringt das vielfältige Programm mit Olga Neuwirths musikalischem Kalligramm „Keyframes for a Hippogriff“ (11.9. und 12.9.) auch Neues von zeitgenössischer Front. Der RIAS Kammerchors singt sich von Gesualdo aus durch die Musikgeschichte (15.9.). Patricia Kopatchinskaja und die Berliner Philharmoniker unter Kirill Petrenko erweisen „Mr. Firebird“ mit „L’Oiseau de feu“ die Reverenz (16. bis 18.9.), ehe zum Abschluss die Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker nach den Sternen greift (20.9.).

(Fotos: Monika Karczmarczyk (Roth), Felix Broede (Faust))




04. — 10. September 2021

Mission: Revolution


Sie bezeichnen sich selbst als Münchens spannendstes Klassik-Start-up – und liegen damit sicher nicht falsch. Das Hidalgo Festival bringt zum Ausdruck, was eine junge Künstlergeneration umtreibt, im Klassikbetrieb aber nur selten nach außen getragen wird: Es geht um den Willen nach Erneuerung. Und so fragt Hidalgo vom 10. bis 14. September, wie viel Umsturz eigentlich nötig ist in einer Branche, die etwa in puncto wie Diversität und Geschlechtergerechtigkeit noch reichlich Nachholbedarf hat. Die Antwort aus München ist eindeutig, sie erfolgt in einem Aufruf zur „R*Evolution“ – so das Motto in diesem Jahr, bei dem die Klassische Musik zur Waffe wird. „Wir wollen raus aus der Lethargie!“ und „Wir brauchen Luft zum Atmen!“ lauten unter anderem die Forderungen der Umstürzler. Doch zu welchen künstlerischen Ergebnissen führt diese Form von musikalischem Aktivismus? Im Festivalprogramm zeigt sich die Agenda sehr deutlich, zum Beispiel mit einem Festivalorchester, das unter der Leitung von Johanna Malangré mit Dmitri Schostakowitschs 14. Sinfonie gegen den Klimawandel anspielt. Oder mit dem Projekt „Rape & Culture“, das sich mit dem Thema der sexualisierten Gewalt auseinandersetzt. Da trifft eine Musik, die solche verharmlost, auf Film, dokumentarische Interviews durchstechen die fiktionale Ebene. Und beim Art Song Battle im ehemaligen Betonwerk in Obersendling lebt das Kunstlied in urbaner Umgebung neu auf. Aktueller geht’s nicht!

(Fotos: Max Ott)




28. August — 03. September 2021

Mehr als Besenballett


Nein, hier wird kein Quidditch gespielt! Am. 4. September wird in Berlin gekehrt. Dann nämlich bespielt das BerlinBesenBallett das Stadtgebiet und bringt Straßenbeläge mit eigens komponierten und choreografierten Kehr-Stücken zum Klingen. „Wenn es gut klingt und ein schönes Kehrmuster zu hören ist, passt der Besen zum Spieler“, heißt es in der Ankündigung. Na dann los! Das Besen-Ballett ist aber nur einer von vielen Programmpunkten des Monats der zeitgenössischen Musik, der vom 27. August bis 30. September zum nun fünften Mal das musikalische Neueste in die Hauptstadt trägt. In diesem Jahr steht die soziale und politische Bedeutung der Musik im Mittelpunkt, mit der die Rückeroberung des öffentlichen Raums einhergeht. Programmatisch geht es dabei maximal vielfältig und experimentell zu, mit insgesamt rund 100 Veranstaltungen – Konzerte, Performatives und Klanginstallationen, unter freiem Stadthimmel oder im Konzertsaal. Zur Eröffnung feiern bei „Labor Sonor: Translating Spaces“ acht Auftragswerke ihre Premiere. Bei „Sound > Walk > Berlin“ wird dann das Publikum eingeladen, die Stadt aus Künstlerperspektive zu erleben. In der Reihe „UA Berlin“ erzählt das Zafraan Ensemble musikalisch die Geschichte Berlins, von den 1910er-Jahren bis in die Gegenwart. Und Maximilian Marcoll erweitert Giovanni Pierluigi da Palestrinas Missa Papae Marcelli um elektronische Noten. Das gesamte Programm des Monats der zeitgenössischen Musik kann hier abgerufen werden.

(Bild der Woche: Christoph Leeb, Fotos im Slider: Udo Noll)




21. — 27. August 2021

Klangwerker


Wieder einmal werden vom 14. August bis 25. September bei der Ruhrtriennale Hallen, Halden und Maschinenhäuser in Bochum, Duisburg, Essen und Gladbeck zu Stätten der Musik. Unter der Leitung der Intendantin und Regisseurin Barbara Frey bringt das diesjährige Festivalprogramm Neues und Unkonventionelles aus Musiktheater und Konzert ebenso wie aus Schauspiel, Tanz und Bildender Kunst. Olga Neuwirth lässt es mit der surrealen Weihnachtsorgie „Bählamms Fest“ nach einem Text von Elfriede Jelinek in der Jahrhunderthalle Bochum ordentlich spuken (auch on demand). Wenn die Geister ausgetanzt haben, feiert dann die Pianistin Virginie Déjos beim Konzert im Morgengrauen in der Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck den Tagesanbruch – mit Maurices Ravels „Gaspard de la nuit“ und der Uraufführung von Chris Watsons räumlichem Klangstück „Morgenchor“. Weit in die Vergangenheit hingegen blickt das Huelgas Ensemble von Paul van Nevel. Im Essener Zollverein gräbt sich die A-cappella-Formation tief ein in die Vokalpolyphonie, mit Gesang von Josquin Desprez und Guillaume de Machaut aber auch einem der rätselhaftesten Musikstücke überhaupt: Solages harmonisch völlig vernebelter, wie aus der Zukunft gefallener Rauchmusik „Fumeux fume“. Und mit Perotins Viderunt omnes nähert sich die Reise weiter den Anfangen der Mehrstimmigkeit! Neben diesen Höhepunkten bietet man mit Livestreams und auch ausschließlich digital zu erlebenden Formaten wie der Zoom-Performance „Unterscheidet euch“ von Turbo Pascal weitere spannende Programmpunkte (hier in Gänze) am Puls der Zeit.

(Bild der Woche: Christian Palm/Ruhrtriennale, Fotos im Slider: Volker Beushausen/Ruhrtriennale)




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