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23. — 29. Januar 2021

Frösche oder Katzen?


Wie klingt die Dunkelheit? In Béla Bartóks Klavierstück „Klänge der Nacht“ aus dem Zyklus „Im Freien“ webt der ungarische Komponist impressionistisch wie Claude Debussy einen aus unterschiedlich akzentuieren Clustern bestehenden Klangteppich, über dem sich die titelgebenden Klänge der Nacht ausbreiten – zum Beispiel Frösche, Katzen, Insekten oder kleine Steine, die ins Wasser geworfen werden. So beschreibt es András Schiff. Auf der multimedialen Website explorethescore.org kann der interessierte Hörer vom ungarischen Pianisten angeleitet in Bartóks Klangkosmos eintauchen. „Das Projekt nutzt die medialen Möglichkeiten des Internets, um Musik des 20. Jahrhunderts zugänglicher zu machen. Die dynamische Koppelung von Partitur und Aufführungsvideo schafft eine direkte Verbindung zwischen Notenbild und Klang. Die Partitur wird dadurch auch für diejenigen zum Sprechen gebracht, die sie vielleicht nicht im Detail lesen können“, beschreibt der Musikwissenschaftler Tobias Bleek, verantwortlich für die Education-Projekte beim Klavier-Festival Ruhr, die Idee. „Entscheidend ist die Rolle der Interpreten. Sie spielen und erläutern Musik, zu der sie eine besonders enge Beziehung haben – im Fall von András Schiff zum Beispiel die Klavierwerke von Bartók.“ Erwachsen ist die Website, die zudem Exkursionen zu Strawinski, Ligeti und Boulez ermöglicht, aus den Vermittlungsprojekten des Klavier-Festivals Ruhr, etwa in Duisburg-Marxloh, für die Bartóks Musik eine wichtige Rolle spielt. „Bartóks Musik und seine pädagogischen Aktivitäten sind auf vielfältige Weise geprägt durch seine Auseinandersetzung mit Volksmusik“, erzählt Bleek. „Für uns ist das ein Geschenk. Viele der Werke erfüllen das Kriterium der Sangbarkeit. Auf der anderen Seite gibt es eine komplexe und mitreißende rhythmische Dimension. Das lässt sich wunderbar in Bewegung umsetzen.“ In Zeiten, in denen auch Musikvermittlung digital stattfinden muss, kann man sich auf dieser lehr- wie assoziationsreichen Plattform trefflich weiterbilden.

(Fotos: Stiftung Klavier-Festival Ruhr)




16. — 22. Januar 2021

Wunschdenken


Keine Sorge, diese Aufnahmen kommen aus dem Archiv. Ein voll besetzter Saal im Opernhaus, Stuhlreihen und Publikum dicht und dicht – das mutet heute fast wie ein Relikt vergangener Zeiten an. Es ist weiterhin Geduld gefragt, und die Nachricht zum Bild aus der Dresdner Semperoper verheißt nichts Gutes, wundert aber letztlich kaum: In Dresden wurde die restliche Spielzeit 2020/21 abgesagt, im Sommer soll ein Ersatzspielplan Abhilfe schaffen. Wie der im Detail aussehen wird, muss sich noch zeigen. Auch die sächsische Staatsoper bleibt bis zum 31. März geschlossen. Und die Absagewelle geht weiter: In Frankfurt startet der Spielbetrieb erst wieder im April, gaben die Verantwortlichen in dieser Woche bekannt. Ähnliche Neuigkeiten kommen aus Weimar und Hannover, hier stellte man den Spielbetrieb zunächst bis Ende Februar ein. Der Franz-Liszt-Wettbewerb für junge Pianisten und Pianistinnen, bereits um ein Jahr verschoben, entfällt nun ersatzlos. Doch enden wir positiv: Beim Festival für neue Musik „Ultraschall Berlin“ sind zwar wie überall Programmänderungen erforderlich und die Konzerte mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin können nicht stattfinden, doch es gibt ein Alternativprogramm. Das Eröffnungskonzert am 20. Januar mit dem Notos Quartett wird bei rbbKultur übertragen, im Anschluss spielt der Bratschist Nils Mönkemeyer Musik von Hildegard von Bingen und Konstantia Gourzi. Am 21. Januar sendet dann Deutschlandfunk Kultur ein Konzert mit dem ensemble mosaik und viel neuem Repertoire, weitere Programmpunkte folgen. Immerhin Musik, auch wenn volle Säle Wunschdenken bleiben.

(Fotos: Klaus Gigga)




09. — 15. Januar 2021

Das große Warten


Was gibt es Neues in der Klassikwelt? Erstens: Es wird weiterhin verschoben und aufgeschoben. Nach der Salzburger Mozartwoche gab nun die Telemann-Gesellschaft bekannt, dass sich der Internationale Telemann-Wettbewerb Pandemie-bedingt um ein halbes Jahr verschiebt. Statt im März findet der Wettbewerb nun Ende August/Anfang September statt. Mit nur 40 Teilnehmern, um größere Reisebemühungen zu verhindern. In diesem Jahr sind in Magdeburg die historischen Holzblasinstrumente an der Reihe: Blockflöte, Traversflöte, Barockoboe. Zweitens: Es wird weiterhin modifiziert. Das Schleswig-Holstein Musikfestival soll 2021 zu zwei Dritteln als Open-Air-Veranstaltung stattfinden, um Publikum und Künstler zu schützen. Weitere könnten folgen. Drittens: Man ärgert sich noch immer über die Politik. Diesmal Martin Kusej vom Wiener Burgtheater. Nach der Verlängerung des Lockdowns in Österreich ist unklar, wann sein Haus wieder seine Tore öffnen kann. Viertens: Es gibt auch positive Nachrichten! Etwa vom Kammermusikfest Oberlausitz, dem neuen Klassik-Festival in Sachsen. Im September soll es unter dem Motto „Begegnungen“ in seine zweite Ausgabe gehen. Und fünftens: Personalia. Beim Bach-Archiv Leipzig hat der neue Geschäftsführer Klaus Hartig sein Amt angetreten. Und beim Orchestre Symphonique de Montréal wird der venezolanische Dirigent Rafael Payare (oben im Bild) ab 2022 als neuer Music Director den Taktstock von Kent Nagano übernehmen.

(Foto: Benjamin Ealovega)




02. — 08. Januar 2021

Unerwünscht dramatisch


Das hatte sich Rolando Villazón anders vorgestellt: Nachdem die Salzburger Mozartwoche zunächst trotz der Corona-Pandemie stattfinden sollte, wurde das ursprüngliche Programm nun doch in eine Online-Version umgewandelt. Rund um den 265. Geburtstag des Komponisten sollte die ursprünglich für 21. Januar bis 31. geplante Version des Festivals vorerst nur leicht angepasst werden, hieß es noch im November. Die szenischen Aufführungen wären zwar entfallen, die Konzerte sollten hingegen, zum Teil in doppelter Ausführung, stattfinden. Die Mozartwoche wäre damit das erste Festival des neuen Jahres gewesen, mit insgesamt mehr als 50 Veranstaltungen. Das Motto in diesem Jahr – Musico drammatico – hätte Mozarts Moll-Werke und somit die besonders expressive Seite des Komponisten, dessen Instrumentalmusik opernhafte Dramatik innewohnt, in den Mittelpunkt gerückt. Nun kommt die unerwünschte Dramatik von außen: Die in Österreich geplanten Öffnungen der Kultur ab 18. Januar seien für das Festival nicht praktikabel, gaben die Verantwortlichen bekannt. Organisatorische und rechtliche Fragen blieben ungeklärt. Die Mozartwoche kann lediglich als Stream stattfinden, teilte der Intendant Rolando Villazón mit. Ob ausgewählte Veranstaltungen tagsüber mit getestetem Publikum möglich sind, wird sich Mitte Januar zeigen.

(Foto: Andreas Hechenberger)




26. Dezember 2020 — 01. Januar 2021

Wien, Berlin, Venedig


Ein ausnahmslos turbulentes Jahr neigt sich dem Ende zu, und wohin wir schauen: Neujahrskonzerte. Die musikalische Untermalung des Jahreswechsels ist trotz Pandemie jedenfalls gesichert, und bietet sogar einiges an Auswahl. Los geht es am 31. Dezember mit dem ausfallenden ARD-Silvesterkonzert, das sich als notdürftige Zusammenstellung alter Aufnahmen mit dem SWR-Symphonieorchester präsentiert. Das Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker unter ihrem Chefdirigenten Kirill Petrenko findet hingegen statt – und führt in diesem Jahr zu Manuel de Falla nach Spanien. Als Solist ist der Gitarrist Pablo Sáinz-Villegas mit an Bord. Zu sehen ist das Konzert in der Digital Concert Hall und bei Arte, gehört werden kann es bei rbbkultur. Am 1. Januar 2021 schließt sich das Neujahrskonzert aus dem Teatro La Fenice in Venedig an (Arte und WDR). Das ZDF zeigt die Wiener Philharmoniker in Aktion, aus Wien, mit Riccardo Muti und – natürlich – Johann Strauss. Zu wem man auch hält: RONDO wünscht allen einen guten Start in das neue Jahr!

(Foto Orchester: Frederike van der Straeten, Foto Sáinz-Villegas: Lisa Mazzucco)




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