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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

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am 02.07.2022



Startseite · CD zum Sonntag

09. — 15. April 2022

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Der Meistercellist Pablo Casals empfand die Solo-Suiten für Cello als „die Quintessenz von Bachs Schaffen“. Sie gehören jedoch nicht nur zu den zentralen Bach-Werken, sondern auch zu den bedeutendsten Kompositionen für Cello solo überhaupt. Und zu den schwierigsten, laut dem Musikwissenschaftler Christoph Wolff stehen die Cellosuiten „für höchste Virtuosität“. Somit stellen Bachs Suiten für jeden Cellisten eine enorme Herausforderung dar. Manche beschäftigen sich Jahrzehnte mit den vielfältigen Tanzsätzen und wagen sich erst mit 40 ins Aufnahmestudio. Bruno Philippe hat diese Werke bereits mit Ende 20 aufgenommen. Der französische Cellist studierte zunächst in Perpignan und später am Conservatoire de Paris, den letzten Schliff holte er sich in Meisterkursen bei Künstlern wie Steven Isserlis, David Geringas und Pieter Wispelwey. Philippes Interpretation basiert auf den Regeln der historisch informierten Aufführungspraxis, so verwendet er etwa blanke Darmsaiten statt Metallsaiten, die für einen wärmeren, gedämpfteren Klang sorgen. Die Saiten harmonieren mit seiner Spielweise, denn der Franzose nähert sich den Werken auch mit warmem und zarten Ton. Unter seinen Händen wirken die Suiten eher wie eine intime Reflexion im Musikzimmer als wie ein Konzertstück. Das ist das passende Album, um bei einem warmen Tee oder einem guten Rotwein sinnierend dem Regen aus dem warmen Kaminzimmer zuzugucken.

02. — 08. April 2022

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Im Wechselgesang: Zehn Jahre lang erarbeiteten sich Raphaël Pichon und sein Ensemble Pygmalion die Chorwerke Bachs, von den Messen und Kantaten über die Motetten, bis man sich gereift für die Passionen – vor allem die Matthäus-Passion fühlte. Diese im umfassendsten Sinne als Musikdrama konzipierte Erzählung von Leiden und Tod Jesu Christi verschränkt mit zwei Chören und Orchestern gleich mehrere Zeitebenen: Die Gegenwart der handelnden Personen, den zusammenfassenden und kommentierenden Bericht des Evangelisten, die Arien, die in Reaktion auf das Geschehen die subjektive Reaktion des Betrachtenden formulieren und die Choräle, in die die Leipziger Gemeinde wahrscheinlich auch singend eingefallen sein dürften und die eine überpersönliche Sichtweise der Gemeinschaft der Gläubigen ausdrücken. Dass sich diese Ebenen nicht gegenseitig ausbremsen, sondern den Zuhörer von Anfang an fesseln, legt Zeugnis ab von Bachs musikdramatischem Genie. Schon der Eingangschor entfaltet zwischen den zum Schauplatz drängenden zwei Chören, den hin- und herwogenden Fragerufen dieser beiden und dem sich in Heilsgewissheit darüber aufschwingenden Choral wie ein Panorama der handelnden Kräfte. Und Bach selbst ist in seiner Haltung spürbar als der Lenker dieser Kräfte, als ein Anteilnehmender, der dem Geschehen voller Zwietracht und Gewalt die tröstliche Botschaft abzuringen und dem Hörer bewusst zu machen versucht, ist sich Pichon sicher. Er kann für seine Aufnahme, die unter großem Zeitdruck und in der Isolation der Corona-Pandemie entstand, auf wahrhaft luxuriöse Kräfte zurückgreifen: Neben Sabine Devieilhe und Hana Blažíková im Sopran, Tim Mead und Lucile Richardots besonders noblem Alt, dem Tenören Reinoud van Mechelen und Emiliano Gonzalez-Toro und dem Bass Christian Immler, die nach barocker Manier aus den beiden Chören hervortreten, die sie mitgestalten, sind das der ungemein würdevolle und schön timbrierte Christus von Stéphane Degout und der agile, wachsame und gefühlvolle, dabei nie überhitzt agierende Evangelist Julian Prégardien. Und Pichon betont, wie wichtig die lange Hinarbeit auf diesen Gipfel der Bachschen Chorliteratur für das Gelingen war, welch familiäre Qualität die Atmosphäre der aufeinander eingespielten Kräfte hatte. Das merkt man: Eine in allen Teilen durchglühte, erfüllte und bewegende Aufnahme der an Aufnahmen nicht gerade armen Matthäus-Passion.

26. März — 01. April 2022

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„Diese wahren Meisterwerke, auch wenn sie nur ein paar Minuten lang sind, besitzen eine ungeheure Melodik und Ausdruckskraft!“ So enthusiastisch äußerte sich Franz Schubert über die Sonatinen seines deutsch-dänischen Kollegen Friedrich Kuhlau, die heutzutage allenfalls noch im Klavierunterricht Verwendung finden. Zu den wenigen Pianisten, die die herausragende Qualität der Klaviermusik des Beethoven-Zeitgenossen erkannt haben und dessen Werke regelmäßig spielen, gehört Marie-Luise Bodendorff (*1983). Die aus Augsburg stammende Musikerin ist gerade dabei, für das dänische Label DaCapo Kuhlaus gesamtes Klavierwerk aufzunehmen. Letztes Jahr erschien Vol. 1, nun ist das Album Vol. 2 veröffentlicht worden. Es umfasst die Weltersteinspielung der drei Rondos op. 1, die zu seinen reizendsten und originellsten Stücken gehören, die sechs Sonatinen op. 55, vielleicht seine bekanntesten und beliebtesten Werke, sowie die charmante „Fantasie über schwedische Lieder“, in denen die ganze handwerkliche Meisterschaft von Kuhlau zum Tragen kommt. Ähnlich wie Beethoven tendiert auch Kuhlau in seinen Werken zu starken Kontrasten zwischen kraftvoll-resoluten Themen und lyrisch-graziösen Episoden, die Bodendorff mit viel Temperament und Sensibilität auf Basis einer exzellenten Pianistik nachzeichnet. Klasse!

19. — 25. März 2022

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Der Komponist Nikolai Medtner (1880-1951) steht bis heute im Schatten seiner berühmteren Kollegen Sergei Rachmaninow und Alexander Skrjabin. Man tut ihm damit unrecht, denn seine Klavierkompositionen, die gleichermaßen Einflüsse der deutschen wie der russischen Romantik aufweisen, gehören zu den Meisterwerken der russischen Musik im 20. Jahrhundert. Nicht ohne Grund hielt ihn Rachmaninow, mit dem Medtner eine enge Freundschaft verband, für den bedeutendsten Komponisten seiner Zeit, während Medtner wiederum der Meinung war, dass Rachmaninow der Lorbeer des größten Tonschöpfers gebühre. Neben 14 Klaviersonaten komponierte Medtner auch romantische Charakterstücke kleineren Umfangs, darunter drei Zyklen mit dem Titel „Vergessene Weisen“ in den Jahren 1918 bis 1922, in denen die beiden einsätzigen Sonaten „Reminiscenza“ und „tragica“ enthalten sind.
Der Italiener Mattia Ometto hat bereits mehrere Duo-CDs aufgenommen, unter anderen mit dem Liszt-Experten Leslie Howard und Werken von Liszt und Brahms. Mit Medtners „Vergessenen Weisen“ legt er nun sein erstes Soloalbum vor. Ometto spielt diese Musik emotional durchglüht, mit kraftvoll-energischem Zugriff, viel Klangsinn und kultivierter Agogik. Auch für die leise Melancholie, die vielen dieser Stücke innewohnt, hat er die richtigen Antennen. Hoffen wir, dass sein Album ein weiteres Mosaiksteinchen ist, um Nikolai Medtners Bekanntheit zu steigern.

05. — 11. März 2022

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Familienbande: Am Hof zu Kassel treffen die Violinvirtuosen Jean-Marie Leclair und Pietro Locatelli aufeinander, und ein Ohrenzeuge befindet anschließend, während Leclair spiele wie ein Engel, sei Locatelli der leibhaftige Teufel. Umso mehr verwundert, dass diese beiden Pole, der eine Franzose, der andere Italiener, nicht nur Freundschaft schlossen, sondern auch über ihre Ausbildung eng miteinander verbunden waren. Und zwar über Giovanni Battista Somis, einen Violinpädagogen, der sich den Unterricht bei seinem Vater zumindest zeitweise mit Antonio Vivaldi teilte und später alles unterrichtete, was Rang und Namen hat, auch Jean-Marie Leclair. Ein bißchen italienisches Blut steckt also auch im Franzosen, während Locatelli, der letzte Schüler Arcangelo Corellis, später Vivaldi traf und mit ihm befreundet war. Doch während Vivaldis Passagenwerk mehr Eindruck schindet, als es technisch herausfordert, ist Locatelli als Virtuose und Komponist ein Extremsportler, der die Grenzen des eigenen Vermögens und seines Instruments auslotet und damit zweifelsohne auch noch die Spielweise Niccolo Paganinis beeinflusst hat (man höre den Schlusssatz von op. 3/VIII).
Théotime Langlois de Swarte, in der romantischen und zeitgenössischen Musik ebenso beschlagen wie im Barock – auch wenn er sich derzeit darauf zu spezialisieren scheint – hat dem Triumvirat Vivaldi-Leclair-Locatelli ein Album gewidmet. Er nimmt den Rollenwechsel zwischen Leclairs Lyrismen und Loctallis zähnefletschender Virtuosität als Anlass, die Breite seines Könnens aufzufächern. Die Musiker seiner Generation können auf knallende Saiten und herzflatternd hastendes Violinspiel verzichten, wie es beispielsweise Fabio Biondi zum Markenzeichen gemacht hat. Das Ergebnis schlägt dennoch mit seiner Frische, der schlanken Süße des Tons und der wie hingeworfenen Virtuosität in den Bann. Mit den Musikern des Ensembles Les Ombres muss de Swarte auch nicht erst warm werden, er bestreitet den Solopart als primus inter pares unter Kollegen, die sich seit langem kennen und zusammenspielen. Das hört man!

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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin.
Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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