home

N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



Startseite · Künstler · Gefragt

Antonio Pappano

Nur echt mit der Knautschfalte

Molto simpatico! ist Antonio Pappano (53), da gibt’s nichts. Mit offenen Armen empfängt er, obwohl er soeben Bruckners Achte zu Ende dirigiert hat, im fast leergefegten Chef-Zimmer der Accademia di Santa Cecilia in Rom. Der sonstige Chef der Royal Opera Covent Garden ist ein Publikumsmagnet und zugänglicher Charmeur wie nur wenige seiner Zunft. „Wie geht’s!?“ fragt er, als wolle er allem Maestro- Getue sofort einen Riegel vorschieben. Nicht nötig, wir sind schon gewonnen.
2005 übernahm Pappano das am besten subventionierte Sinfonieorchester in Italien. Und hat es geschliffen, sein Repertoire erweitert und um die Welt geführt. „Die Begeisterung dieses Orchesters ist ohnegleichen“, so Pappano, der an Vorgänger wie Igor Markewitsch, Thomas Schippers und Giuseppe Sinopoli anknüpfen kann. Mit dem 2002 eröffneten Parco della Musica (4 Säle, Piazzetta, Restaurants etc.) hat Star-Architekt Renzo Piano dem Orchester im Norden Roms eine kleine, terracottafarbige Stadt für sich gebaut. Eine Musik-Festung, die zu den wenigen Kulturinstitutionen neben der Mailänder Scala zählt, die trotz Kultur-Kahlschlag in Italien sicher sind.
Geadelt durch Absolventen von Cecilia Bartoli bis Beniamino Gigli, von Rachmaninow bis Ennio Morricone, angelte sich die Accademia mit „Tony“ Pappano einen der wichtigsten Operndirigenten weltweit. Der weiß, was er trotzdem beweisen muss. Anders als zur Zeit Toscaninis, wo große Dirigenten vom Operngraben aus zum Star aufstiegen, gelingt genau dies heute kaum noch jemandem. Wer kennt schon Donald Runnicles oder Andrew Davis, den Chef der Lyric Opera in Chicago?!
Auch Pappano hat mit Aufnahmen des sinfonischen Repertoires (EMI) zunächst Argwohn provoziert, ob er für Dvořák und Tschaikowsky, Mahler und Prokofjew genauso geeignet sei wie für Puccini-Aufnahmen mit Angela Gheorghiu. Aber: Sein Stil ist süffig, dramatisch knuffig, ohne Angst vor emotionalen Turbulenzen. Gewiss kein Grübler. Sondern everybody’s darling. Und nur echt mit der charakteristischen Knautschfalte über der Nase.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 1 / 2013



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Pasticcio

Musiklehrer-Ebbe

„Groovy Grounds und Bodysounds-Rhythmus in der Klasse“, „Soundscapes - Mit zwei Ohren sieht […]
zum Artikel

Magazin

Magazin

Schätze für den Plattenschrank

Alle fünf Jahre, wenn Concerto Köln wieder einen runden oder halbrunden Geburtstag feiern kann, […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Der Beginn ist bekanntlich eine sehr delikate Phase. Womit also fängt man an, als junges Klaviertrio, die ersten Schritte machend auf dem diskografischen Karriereweg? Das Silver Trio hat für sein Album-Debüt Beethoven, Rachmaninow und Bernstein ausgewählt. Eine durchaus merkwürdige Kombination, nicht weil man Musik verschiedener Epochen nicht auf einer CD vereinen dürfe – ganz im Gegenteil, so machen es viele Ensembles teils mit großem Erfolg. Da einem aber irgendwie keine Verbindung […] mehr


Abo

Top