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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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Opéra Royal de Wallonie – Thomas: „Mignon“ (c) J. Berger / ORW Liège

Da Capo

Lüttich (B), Opéra Royal de Wallonie – Thomas: „Mignon“

Von gestern nach heute segelnd

Allein über 2000 Mal wurde an der Pariser Opéra-Comique „Mignon“ gespielt, Ambroise Thomas’ zweites Erfolgsstück neben dem „Hamlet“, eine Bearbeitung von Johann Wolfgang von Goethes Roman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“. Die zwei dicken Romanbände sind hier reduziert auf die Schauspielerin Philine als blonde Titania, die den reichen, am Theater interessierten Wilhelm Meister verführen will, während der doch seine Hingezogenheit zu dem wilden Waisenkind Mignon entdeckt, das als Maskottchen der Schauspieltruppe fungiert.
An der Opéra Royal de Wallonie in Lüttich erzählte schlüssig der sonst eher als Arrangeur bekannte Vincent Boussard diesen 1866 uraufgeführten Goethe-Verschnitt zwischen Sein und Schein. Das Theater auf dem Theater machte nicht nur storymäßig Sinn, es wurde eher unauffällig auch zum Drehpunkt. Die Zeit war entrückt und nah. Die Räume und Orte verschwammen hinter transparenten Vorhängen und Projektionen von Theatern wie oberitalienischen Seenveduten, dort, wo wirklich die Zitronen blühen.
Die instrumentale Qualität des Abends wurde bereits in den ersten Takten der Ouvertüre deutlich, Frédéric Chaslin mischte das im genau richtigen Klangzauber ab, hielt sein Orchester zart, rhythmisierend pikant und immer unauffällig vorantreibend.
Nur französische Muttersprachler waren am Start. Stéphanie d’Oustrac als eine erst als Rosenkavalier, dann als schriller Tiroler Bub ausstaffierte Mignon schillerte modisch genderfluid zwischen Frau, Mann und eben – Mignon. Philine, die kokette Narzisstin, immer sich selbst bewusst, auch sie reif für das Instagram-Zeitalter, so führten sowohl die dezent durch die Jahre von gestern bis heute segelnde Inszenierung als auch die grandiose Jodie Devos die Rolle vor. Hell gerundete, verzaubernde Töne ließ sie glitzernd fallen wie die Koloraturmärchenfee.
Ein Bilderbuch-Wilhelm war der angemessen steif agierende, aber mit schimmerndem Timbre und tenorperfekter voix mixte seinen melancholischen Meister verkörpernde Philippe Talbot. Jean Teitgen war mit brüchig-markantem Timbre und doch vollen Tönen der einigermaßen geistesverwirrte Lothario, alter Schauspieler, aber möglicherweise auch Mi­gnons adeliger Vater.

Matthias Siehler, RONDO Ausgabe 3 / 2022



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin.
Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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