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N° 1265
06. - 12.08.2022

nächste Aktualisierung
am 13.08.2022



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Lautsänger

Die ordnende Kraft der Schwingung

Mit modifizierten Kopfhörern ist die Manufaktur aus Hirschhorn am Neckar unterwegs zu neuen Ufern des Klangerlebens.

Hirschhorn am Neckar, ein beschauliches Nest im südlichen Odenwald. Erst seit zwei Jahren gibt es hier die Manufaktur Lautsänger, doch was in den Räumen einer 50er-Jahre-Villa an Technik zur Klangerzeugung produziert wird, Kopfhörer und seit kurzem auch ein Standlautsprecher, hat Innovationspotential. Wobei das Wort „produziert“ schon in die Irre führt. Denn Lautsänger stellt nicht im herkömmlichen Sinne Kopfhörer her, hier werden Modelle der Firma Meze, vornehmlich Meze Classics 99, modifiziert. Schon diese sind nahezu kunsthandwerklich und ansprechend gearbeitet, den Eindruck bestimmt eine gewisse Retro-Ästhetik und Wertigkeit. So kommt in den Hörmuscheln beispielsweise Walnussholz zum Einsatz. Doch bevor sich unter dem Meze-Schild das Firmenlogo von Lautsänger dazugesellen darf, gehen die Kopfhörer durch die Hände eines kleinen Teams von Holzschnitzern, Bildhauern und Drechslern, die der Lautsprechertechnik so genannte „kymatische Organe“ hinzufügen.
Harald Hobelsberger, Geschäftsführer und Gründer der Lautsänger UG, beruft sich für seine Modifizierung auf Erfindungen des in Hirschhorn ansässigen Künstlers und Kymatikforschers Atmani. Angestoßen hat diese außergewöhliche Entwicklung Ernst Florenz Friedrich Chladni bei der Erforschung des Schalls bereits im 18. Jahrhundert. Chladni wandte das Augenmerk von der Luft als dem Medium, in dem sich Schall ausbreitet, auf die resonierende Materie. Bekannt sind noch heute seine Versuche mit Metallplatten, die mit Grieß oder Sand bestreut und seitlich mit einem Geigenbogen gestrichen wurden, bis sich die Körner durch Schwingungen zu symmetrisch anordneten, in den so genannten Chladnischen Klangfiguren. Der Schweizer Hans Jenny, der sich im 20. Jahrhundert mit Techniken zu bildgebenden Verfahren von Klängen beschäftigte, taufte diese Visualisierung von Klängen und Wellen „Kymatik“. Atmani rief vor fünf Jahren einen Kongress für Kymatik ins Leben. Offenbar geht es da im Kern aber nicht allein um physikalische Vorgänge der Akustik, die Kymatik sieht in den Mustern der Wellen vielmehr universale Ordnungsprinzipien am Werk und stellt dem technischen Bereich der Klangerzeugung auch menschlich-künstlerische Prozesse gleichberechtigt zur Seite. Schon daher legt Hobelsberger so viel Wert auf das Handwerk bei der mechanischen Modifizierung der Kopfhörer. Wichtig ist ihm, dass dem Wirkprinzip des Schalldrucks in der Tonerzeugung bei Lautsänger auch noch eine zweite Wirkung eine Rolle spiele, die er Klangsog nennt und die für ihn aus einer reinen Schallwiedergabe erst einen Klang macht.

Das alles klingt vielleicht erstmal ein bisschen wolkig, doch in ihrem Zweck, nämlich beim Musikgenuss, überzeugen die so veränderten Kopfhörer ihre neuen Besitzer. Erik Schumann, Primarius des Schumann Quartetts, attestierte den Kopfhörern, sie seien „meiner Meinung nach das unmittelbarste an Klangwiedergabe“. Und Markus Dittert, vom Online-Magazin Hifi-Today findet, die Manufaktur beschere dem Hörer „eine neue akustische Erfahrung – eine, die dem Eintauchen in ein Konzerterlebnis beeindruckend nahekommt.“ Hobelsberger nennt die High-End-Version seines Kopfhörers selbstbewusst „Explorer“, da er „zu Klangerkundungen“ einlädt. Eine etwas schlichtere Version namens „Journey“ ist auch im Angebot. Derzeit sind die Kopfhörer auf der Website des Unternehmens für 1.790,-€ (Explorer), bzw. 780,-€ (Journey) zu erwerben.
Für alle, die sich erst ein Bild vom Klang machen möchten, bietet der in Rellingen (SH) beheimatete Audio-Händler Fidelity nach Rücksprache auch die Möglichkeit, sich den Kopfhörer zu Testzwecken leihweise schicken zu lassen .

www.lautsaenger.com

RONDO verlost unter allen Einsendern ein Exemplar des „Explorer“. Bitte schreiben Sie uns mit dem Stichwort „Lautsänger“ an verlosung@rondomagazin.de oder postalisch an Kunst- und Kulturpublikationen RONDO, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin, und vergessen Sie bitte nicht, auch Ihre Adresse anzugeben, damit wir die Gewinner erreichen können. Einsendeschluss ist der 3.1.2022. Viel Glück!

Carsten Hinrichs, 18.12.2021, Online-Artikel



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