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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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(c) Andreas Zierhut

Martin Stadtfeld

Freiheit siegt

Mit dem „Piano Songbook“ verabschiedet sich der Pianist von großen Effekten und zeigt, dass weniger manchmal tatsächlich mehr sein kann.

So einfach wie möglich. Wegkommen von der Überfrachtung und dem Zwang, immer noch eins draufsetzen zu wollen.“ So beschreibt der Pianist Martin Stadtfeld den Gedanken hinter seinem neuen Album, das ihn vor allem als Bearbeiter zeigt, aber auch erstmals eigene Kompositionen vorstellt. Ausgangsmaterial waren eine Reihe bekannter Stücke von Händel, Bach, Mozart, Vivaldi, Dvořák und Beethoven, deren neues Gewand teilweise überraschende Ergebnisse parat hält. Denn während beim Blick in die Musikgeschichte die meisten Bearbeiter dazu neigen, wilde Variationen zu erstellen, um die eigene Fingerfertigkeit auszustellen, muss Stadtfeld in dieser Hinsicht nichts mehr beweisen. „Eine Bearbeitung muss man ja irgendwie legitimieren. Zuerst einmal vor sich selbst. Und im 19. Jahrhundert war es eben üblich, da einen Virtuosenstreich draus zu machen und die Dinge fürs Klavier so schwierig wie möglich zu machen. Meine Legitimation, die ich mir erteilt habe, war dagegen eine ganz andere. Ich wollte zeigen, was ich bei diesen Werken in mir höre.“ Vor allem aber geht es dem Pianisten um Emotionen, für die es bekanntlich nicht immer große Worte und lange Erklärungen braucht. Lieber zwei Noten weglassen als eine zu viel. Und trotz aller gegebenen Schlichtheit und Kürze tragen die musikalischen Neudeutungen fast alle einen sehr individuellen Stempel. Etwa Händels mittlerweile als Hymne der Fußball-Champions League zweckentfremdeter „Zadok the Priest“, bei dem sich Stadtfeld vom archaischen Bombast verabschiedet und eine sehr elegische Version vorstellt. Oder ein Thema aus Beethovens „Eroica“, das hier zum „Folk Song“ mutiert. „Bei manchen Stücken bleibe ich sehr nahe dran, aber bei den Orgelstücken von Bach muss man das beispielsweise schon aus rein praktischen Gründen vereinfachen, um es überhaupt auf dem Klavier spielbar zu machen.“ Eine Aufgabe, die für ihn keineswegs neu war. Bereits in der Vergangenheit waren auf seinen Alben eigene Bach-Bearbeitungen zu hören gewesen. Doch das „Piano Songbook“ geht nun noch einmal einen entscheidenden Schritt weiter. „Die Idee war von Anfang an, sehr freie Bearbeitungen zu erstellen. Das hat mich bei der Vorbereitung dann im wahrsten Sinne des Wortes befreit. Weil ich dadurch wegkam von dieser sklavischen Fixierung auf das Original. Als ich mir das zugestanden habe und der Knoten geplatzt war, hat mir die Sache extrem Spaß gemacht.“ Die eigenen Werke, die das Album abrunden, waren da fast schon eine logische Konsequenz. Sind für ihn doch schon bei der Bearbeitung die Grenzen zum eigenständigen Komponieren fließend. Zumal Stadtfelds Miniaturen ebenfalls auf alte Formen zurückgreifen und sich auch harmonisch in den Kontext einfügen. Spielbar sollten die Stücke dabei übrigens nicht nur für ihn sein. Mit seinem „Piano Songbook“ will Stadtfeld die Menschen nicht zuletzt auch anregen, sich vielleicht auch selber mal wieder ans Klavier zu setzen. Und so erscheint parallel zur CD ebenfalls eine Noten-Ausgabe beim Schott-Verlag.

Erscheint Anfang April:

Martin Stadtfeld: „Piano Songbook“

Sony

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Tobias Hell, RONDO Ausgabe 2 / 2021



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