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Musik-Krimi

Rätsel um Beethoven

Hauptkommissar Reuter und Doktor Stradivari hoben erstaunt die Köpfe, als die Tür aufging und eine elegante, schwarz gekleidete ältere Dame hereinkam. „Frau von Goldbach“, begrüßte der Kripomann sie. „Was verschafft mir …“ „Mein Sohn wurde entführt“, sagte die Dame knapp. Sie hielt Reuter ein Handy hin. „Hier ist eine Nachricht von seinem Telefon. Er schreibt, dass Unbekannte ihn in seiner Gewalt haben und dass weitere Informationen wegen einer Geldübergabe folgen. Erst der plötzliche Tod meines Mannes voriges Jahr, und nun das.“ Der Hauptkommissar ließ sich das Handy geben, bat ihr, sich zu setzen und stellte Doktor Stradivari vor. „Erlauben Sie, dass wir uns kurz besprechen“, sagte er dann. Draußen auf dem Flur nahm Reuter Stradivari zur Seite. „Hoffen wir, dass es wirklich der junge Herr von Goldbach ist, der hier schreibt. Und nicht einer der Täter, der Goldbachs Handy bedient.“ „Spielt das eine Rolle?“ „Wenn wir das Handy orten, wissen wir, wo sich der Entführte aufhält. Das ist eine wichtige Information. Gut, dass Sie gerade da sind.“ „Geht es in diesem Fall denn um Musik? Das habe ich noch gar nicht bemerkt.“ „Oh ja. Frau von Goldbachs Sohn ist doch gerade Professor für Musikwissenschaft in Zürich geworden. Ich kenne die Familie privat, wissen Sie …“ Bei Stradivari fiel der Groschen. „Von Goldbach, natürlich. Deshalb kam mir der Name bekannt vor. Er gilt als der penibelste Beethoven-Forscher überhaupt und duldet nicht die kleinste Ungenauigkeit über den Komponisten. Er hat alle Daten, die in Beethovens Leben eine Rolle spielen, überprüft und vieles korrigiert, was lange als wissenschaftlich gesichert galt. Sie haben recht, ich kann herausfinden, ob er selbst das Handy bedient oder nicht. Welches Datum haben wir heute?“ „Den 17. Dezember 2020. Wieso ist das wichtig?“ „Können Sie sich das nicht denken?“. Stradivari nahm Frau von Goldbachs Telefon und schrieb eine Antwort auf die Mitteilung über die Entführung. Hier schreibt ein Freund Ihrer Mutter, tippte er. Die Entführer haben sich ja mit dem heutigen 250. Geburtstag Beethovens den richten Tag ausgesucht, schrieb er. Dann bat er von Goldbach, drei Dinge zu schreiben: Das Jahr der Uraufführung von Beethovens Neunter, die Opuszahl des fünften Klavierkonzerts und die Kammermusikbesetzung, für die Beethoven seine zweite Sinfonie bearbeitet hatte. „Was Sie da fragen, kann man doch alles im Internet erfahren“, sagte Reuter. „Wir müssen etwas Privates nehmen. Was nur er wissen kann.“ Die Antwort kam nach ein paar Minuten. Mit dem Tag haben Sie recht. Beethovens Geburtstag hätte ich gerne anders verbracht. Die Antworten: 1824, 73, Klaviertrio. „Hoffen wir, dass von Goldbach wohlauf ist“, sagte der Doktor. „Wer auch immer mir hier geantwortet hat, er war es nicht.“

Wie kommt Doktor Stradivari darauf?

Doktor Stradivari ermittelt – und Sie können gewinnen!

Wenn Sie die Lösung wissen, schreiben Sie sie an stradivari@rondomagazin.de oder postalisch an RONDO, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin – bitte auch Ihre Kontaktdaten nicht vergessen! Unter allen Zuschriften verlost RONDO im Beethoven-Jubiläumsmonat in Kooperation mit dem Label Naxos fünf Exemplare einer Rarität: Beethovens Arrangement seiner Sinfonie Nr. 2 D-Dur für Klaviertrio, sowie das 1. Klavierkonzert C-Dur in der Fassung für Klavier und Streichquintett von Vinzenz Lachner, musiziert von Hanna Shybayeva, dem Animato Quartett und Bas Vliegenthart am Kontrabass. Einsendeschluss ist der 22. Januar 2021. Viel Glück!


Auflösung aus Magazin 5/2020:

1Gabriel Faurés 1880 uraufgeführtes erstes Klavierquartett war bei weitem nicht so erfolgreich wie Professor Birnenkamp behauptet. Dies war einer der Gründe, warum der Komponist das Finale des Werkes Jahre später grundlegend überarbeitete. Die neue Fassung, die heute stets gespielt wird, kann in dem verschwundenen Brief nicht zur Sprache gekommen sein. Diesen Umstand hätte Birnenkamp ansprechen müssen, anstatt zu behaupten, in dem Fall ging es um die Musik, die Stradivari von der CD abspielt.


Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 6 / 2020



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