home

N° 1290
28.01. - 03.02.2023

nächste Aktualisierung
am 04.02.2023



Startseite · Künstler · Gefragt

(c) Igor Studio/DG

Franco Fagioli

Typecasting

Nach den Opern von Vinci, Mozart, Rossini und Porpora befindet sich der argentinische Countertenor ganz im Händel-Fieber.

Eben hat Franco Fagioli in Hamburg erstmals den Ruggiero in „Alcina“ gesungen. Nun ist er als Serse auf Konzerttournee und hat die Partie auch in einer Kompletteinspielung veröffentlicht. Im Februar tritt er damit szenisch in einer Regie von Counterkollege Max Emanuel Cenčić bei den Karlsruher Händel-Festspielen auf. Im Sommer folgt bei den Münchner Opernfestspielen der Nerone in „Agrippina“.

RONDO: Was bedeutet Ihnen Händel?

Franco Fagioli: Bei Händel kann man sehr instinktiv sein, er lässt so viel Freiheit, er ist das wahre Genie der Barockoper – mit einem persönlichen, dabei polyglotten und universalen Stil. Porpora hat Sänger bedient, Vivaldi ebenso. Den einen nenne ich den Lehrer, den anderen den Handwerker. Aber einen grandiosen. Vivaldi erinnert mich an Piazzolla, man hat bei seinen Tangos Buenos Aires vor Augen – und bei Vivaldi Venedig. Händel war Genie, aber auch Geschäftsmann, der sein Theater unterhalten und verkaufen musste.

RONDO: Warum jetzt „Serse“?

Fagioli: Geplant hatte ich das seit meinem Album, das dem Kastratenstar Caffarelli gewidmet war – auch weil ich schon lange und gern mit Il Pomo d’Oro auftrete. Händel wusste, warum er Caffarelli für die Rolle des Serse wollte. Der war extrem talentiert, aber ein launischer Charakter, das hört man in der Figur. Das war Typecasting. Eine so komplexe wie kapriziöse und kindliche Person. Ich freue mich, hier „Ombra mai fù“ im Werkzusammenhang als Rolle singen zu können, das ist etwas anderes, weil diese Arie sein verrücktes Temperament sehr gut ausdrückt. Im Theater geht es ja nicht nur um Schönheit, manchmal auch um Wahnsinn. Xerxes ist am Ende ein mächtiger, aber armer Mann.

RONDO: Wie kommen Sie mit den komischen wie tragischen Aspekten der Oper klar?

Fagioli: Ich sehe da viel Ähnlichkeit zu Mozart, was die Atmosphäre angeht, „Serse“ scheint mir wie ein Vorläufer zum „Don Giovanni“.

RONDO: Wie kam die „Serse“-Besetzung zusammen?

Fagioli: Ich sprach viel mit dem Künstlerischen Leiter von Il Pomo d’Oro, Giulio D’Alessio. Er hat ein sensibles Gespür dafür, wer zusammenpasst. Der einzige Kastrat war damals Caffarelli, deswegen haben wir den etwas lyrischeren Part des Bruders Arsamene mit Vivica Genaux besetzt. Auch mit Maxim Emelyanychev trete ich sehr gern auf. Es geht um Emotion, und wir lassen ganz direkt die Musik sprechen.

RONDO: Was erwarten Sie von der Regie und der neuerlichen Zusammenarbeit mit Max Emanuel Cenčić beim Karlsruher „Serse”?

Fagioli: Ich habe tiefe Bewunderung für ihn, er singt schon so lange, das fand ich immer toll. Und er kann wirklich intelligent inszenieren, er wird diesen Opern auf moderne Weise gerecht. Ich hoffe, ich lerne dabei für die Rolle und freue mich darauf, einen so erfahrenen Bühnenpartner an meiner Seite zu haben.

RONDO: Was bedeuten die Händel-Festspiele Karlsruhe für Sie?

Fagioli: Sie haben mir die Türen geöffnet, als ich meine Karriere gestartet habe. Ich komme immer wieder gern zurück. Um zu lernen, was einen Sänger ausmacht. Ich war schon in der normalen Saison da, etwa kürzlich als Mozarts Lucio Silla.

Neu erschienen:

Georg Friedrich Händel

Serse

Franco Fagioli, Vivica Genaux, Francesca Aspromonte, Andrea Mastroni, Delphine Galou, Il Pomo d`Oro, Maxim Emelyanychev

DG/Universal

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Matthias Siehler, 15.12.2018, RONDO Ausgabe 6 / 2018



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Fanfare

Wir sind in Wien, Museumsquartierhalle E, werden uns jetzt auf Franz Schubert konzentrieren. Es […]
zum Artikel

Pasticcio

Von der Wupper an den Hudson-River

Anfang des Jahres wurde gemeldet, dass die litauische Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla die […]
zum Artikel

Gefragt

Renaud Capuçon

Ganz ohne Kleidchen

Festivals, krisenlose Karriere, gute Beziehungen und gelungene Aufnahmen: Dieser Violinist scheint […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Auf Anregung seines Lehrers Carl Friedrich Zelter schrieb der blutjunge Felix Mendelssohn Bartholdy im Alter von 12 bis 14 Jahren zwölf Streichersinfonien im Zeitraum von 1821 bis 1823. Diese Werke bildeten sein Übungs- und Experimentierterrain für den musikalischen Satz, die Instrumentation und die sinfonische Form. Mendelssohn überschrieb die Stücke, die er mal mit drei und mal mit vier Sätzen gestaltete, wechselweise mit „Sinfonia“ oder „Sonata“. In ihnen fand die […] mehr


Abo

Top