Startseite · Konzert · Da Capo

Luxus hauseigener Fasson: Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“

Monaco (MC), Opéra de Monte-Carlo

An der Bühnenrückwand ist dann – wieder mal – der Zuschauerraum eines Opernhauses zu sehen. Nicht irgendeines, sondern jenes, in welchem Jean-Louis Grindas Inszenierung von Jacques Offenbachs unvollendetem Schmerzenskind „Hoffmanns Erzählungen“ gegeben wird. Diesmal schauen wir gern im Spiegelblick (auch um den geht es hier!) auf die drei Logen und die 524 leeren Plätze davor, in denen wir zur Zeit sitzen. Denn die goldene Salle Garnier, jener so einzigartige Opernannex am Casino von Monte-Carlo, sie spielt in der Aufführungsgeschichte des am meisten faszinierenden Torsos des Musiktheaters eine nicht unbedeutende Rolle. Einer Aufführungsgeschichte, die zudem an eben diesem Ort von zwei berühmten wie passenden Partiedebütanten bekrönt wird. Erstmals nämlich war 1904 hier an der Côte d’Azur dieses populäre Werk in einer besonderen, identitätsstiftenden Version zu erleben, wurde der bei der Pariser Uraufführung gestrichene Venedig-Akt in dann für Jahrzehnte verbindlicher Form gezeigt. Zu den von Offenbach zuvor schon selbst aus seinen „Rheinnixen“ übernommenen zwei Schlagern kamen zwei weitere von fremder Hand hinzu: Die Arie „Scintille diamant“, und als Finale behalf man sich mit einem melodiestarken Septett.
Natürlich spielt man in Monte-Carlo weiterhin die hauseigene Fassung – mit Diamantenarie und Septett. Welches andere Opernhaus könnte schon eine solche sein Eigen nennen? Jacques Lacombe lässt das Orchestre Symphonique de Monte-Carlo feinperlig moussieren. Auf der minimalistisch ausstaffierten Bühne entfaltet sich mit oft simplen Einfällen das feingezeichnete Seelenpanorama eines gefallenen, am Ende von der Muse aufgerichteten Dichters.
Von Anfang an steht Juan Diego Flórez im Mittelpunkt. Der Peruaner lässt seinen Tenor leidenschaftlich glänzen, ist ideal als verwirrter Schwärmer. Natürlich kann keine Sängerin alle Frauenrollen gleichermaßen ausfüllen, aber Olga Peretyatko macht es sehr, sehr gut. Ihre Puppe besitzt Koloraturwitz und groteske Spielfreude, die Antonia Künstlerinnenemphase, die Giulietta schnippische Kurtisanenprofession.

Matthias Siehler, RONDO Ausgabe 1 / 2018



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Pasticcio

Musikalischer Hausfreund

Es gibt ganz wenige Musiker, die man durchaus bewundert. Doch noch rarer sind Musiker gesät, zu […]
zum Artikel »

Gefragt

Lisa Batiashvili

Ohne Zopf und doppelten Boden

Auf ihrem ersten Bach-Album wirkt die georgische Geigerin bestrickend – aber ohne verzopfte […]
zum Artikel »




Top