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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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(c) Irene Zandel

Tianwa Yang

Caramba!

Die chinesische Top-Geigerin geht gerne ungewöhnliche Repertoire-Wege, wie auch auf ihrer neuen „spanischen“ CD – mit einem Violinkonzert von Joan Manén.

Tianwa Yang hat schon lange in Deutschland Wurzeln geschlagen. Trotzdem besucht sie immer wieder ihre alte Heimat China. Wie gerade erst, als sie mit dem Hong Kong Philharmonic Orchestra unter Jaap van Zweden erneut in ihrer Geburtsstadt Peking aufgetreten ist. Schon im August konnte sie im spektakulär riesigen High-Tech-Opernhaus konzertieren. Und im Gepäck hatte sie mit Robert Schumanns Violinkonzert ein ganz besonderes musikalisches Gastgeschenk. „Es war dort tatsächlich die überhaupt allererste Aufführung dieses Werks mit einem chinesischen Orchester“, erzählt Tianwa Yang durchaus stolz.
Die Violinistin mag es, ihr Publikum zu überraschen. Nicht nur in China, wo sie ebenfalls auf Neue Musik-Festivals zu hören ist. Erst vor kurzem gründete sie in ihrer Wahlheimat Kassel ein eigenes Kammermusik-Festival und schlug dort mit Musikerfreunden wie Pianist Nicholas Rimmer einen Bogen von Schubert bis Sofia Gubaidulina und Jörg Widmann. Und selbstverständlich durfte auch ein Werk von Wolfgang Rihm nicht fehlen, immerhin gehört die Musik dieses extrem auf Sinnlichkeit bedachten Neutöners zu ihren Favoriten. Nach der Einspielung seiner sämtlichen Werke für Violine und Klavier spielt Yang aktuell nun dessen Schaffen für Violine und Orchester ein, die erste Folge soll dann voraussichtlich 2017 veröffentlicht werden.
Aktuell sorgt die vielfach mit Schallplattenpreisen wie einem ECHO Klassik ausgezeichnete Musikerin mit einem ganz anderen Aufnahmeprojekt für Staunen. Denn nach ihrer 2014 abgeschlossenen Beschäftigung mit dem geigerisch so schweißtreibenden Nachlass des spanischen Supervirtuosen Pablo de Sarasate hat sie sich jetzt mit dessen Landsmann und Zeitgenossen Joan Manén befasst. Für ihr neues Album wählte sie das 1. Violinkonzert des gebürtigen Katalanen aus und koppelte es mit der weitaus berühmteren „Symphonie espagnole“ von Édouard Lalo. „Im Rahmen meines Sarasate-Aufnahmezyklus bin ich ja immer wieder in Spanien gewesen und bin dabei auch auf Joan Manén gestoßen. Ich fand sofort, dass sein Violinkonzert perfekt zu Lalo passt.“ Tatsächlich springt einen das spanische Kolorit und Temperament unmittelbar an. Und dies mit einer Süffigkeit, die ebenso gut eine Hollywood- Lovestory untermalen könnte. Das eigentlich Verblüffende an diesem dreisätzigen Stück ist aber, dass es aus der Feder eines gerade mal 15-jährigen Wunderknaben stammt. 1898 schrieb Manén das Konzert und widmete es sogleich keinem Geringeren als „meinem Freund Fritz Kreisler“. Überhaupt stand der aus Barcelona stammende Bursche bald im Kontakt mit Berühmtheiten wie Richard Strauss, Max Bruch und Antonín Dvořák. Und nebenbei machte er mit seinem Spiel selbst Sarasate Konkurrenz. Als Manén aber 1971 im Alter von immerhin 88 Jahren verstarb, war er erstaunlicherweise nahezu vergessen. Nun hat Tianwa Yang ihn für sich entdeckt, seine „sehr spätromantische, sehr reife Musik, die mit ungewöhnlichen Harmonien, rasend schnellen Läufen und großen Sprüngen gespickt ist“. Es könnte der Beginn einer preisverdächtigen Musiker-Freundschaft sein …

Neu erschienen:

Édouard Lalo, Joan Manén

Violinkonzerte

Sinfonieorchester von Barcelona, Catalonia National Orchestra, Tianwa Yang, Darrell Ang

Naxos

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Guido Fischer, RONDO Ausgabe 6 / 2016



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