Mit Sängerpaaren ist das so eine Sache. Wenn sie beschlossen haben, wo immer möglich nur noch zusammen auftreten zu wollen, bekommt man (sprich: Intendant/ Veranstalter/ Opernfan) in den meisten Fällen ein qualitativ eher ungleiches Doppelpack geboten, muss mit der süßen Birne auch einen mehr oder weniger sauren Apfel kaufen. Wobei das Zugpferd merkwürdigerweise fast ohne Ausnahme der weibliche Teil des Duos ist.
Hat vor ein paar Jahren schon ihr früherer Partner von Anna Netrebkos Namen und Ruhm profitiert, wird jetzt auch für den neuen Tenor-Ehemann ihre Marktmacht gewinnbringend eingesetzt. Denn ohne Vitamin A(nna) wäre Yusif Eyvazov wohl sicher nicht zu Salzburg-Ehren gekommen. Bei den dortigen Festspielen fanden Anfang August dieses Jahres drei konzertante Aufführungen von Puccinis „Manon Lescaut“ statt, deren Mitschnitt jetzt schon – Weihnachten steht schließlich vor der Tür! – auf CD erscheint.
Yusif Eyvazov ist ein solider Gebrauchstenor der robusten Sorte, bisweilen kehlig, weder geschmeidig noch schmelzreich, doch höhensicher und durchschlagskräftig – insgesamt eine durchaus respektable Leistung, wenn natürlich nicht annähernd auf dem Niveau seiner Gattin. Für diese bietet die Titelpartie ein perfektes Vehikel, ihre vokale wie darstellerische Kunst in ihrer ganzen Bandbreite beeindruckend zu präsentieren. Mit ihrer mittlerweile deutlich satteren, dunkleren und wunderbar gerundeten Stimme lässt sie keinen Zweifel daran, dass nicht nur bei Puccini im Zweifelsfall immer die Frau das Sagen/Singen hat.

Michael Blümke, 03.12.2016



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