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Ludwig van Beethoven

Sonaten für Klavier

Paul Lewis

harmonia mundi HMC 901906.08
(189 Min., 02/2007) 3 CDs

Dass etwas nicht stimmt, merkt man im zweiten Satz der Klaviersonate op. 2 Nr. 3. Ein Adagio, das von der Zukunft spricht, vom späten Beethoven, von seinen Abgründen, von seinen philosophischen Höhen. Tief greift es in die Seele hinein, vermengt bei seinem Besuch Licht und Schatten, Hoffnung und Verzweiflung, ja: Himmel und Hölle, Liebe und Tod. Alles. So wie ihn Paul Lewis spielt, ist er einfach nur da, dieser langsame Satz, einer von vielen. Man glaubte zuvor nicht, wie naiv er klingen kann, wie bedeutungslos, ja: wie profan, dieser Satz. Es ist ein Jammer. Und dieser Jammer will schlechterdings nicht weichen, unternimmt man mit dem britischen Pianisten die nunmehr dritte Reise durch das kaleidoskopische Kraftfeld der Beethovensonaten. Keine der op. 2-Sonaten besitzt ein erkennbares griffiges Konzept. Und auch die Lesarten der Sonaten in Es-Dur op. 7, F-Dur-Sonate op. 54, der "Appassionata", der beiden op. 27-Werke sowie der As-Dur-Sonate op. 26 kommen über gepflegte Konversation und kontrollierte Dramaturgie hinaus. Und das ist gerade das Schlimme. Man kann Paul Lewis nicht einmal einen Vorwurf machen. Jeder Ton ist an seiner richtigen Stelle, jede Phrasierung im Sinne Beethovens ausgeführt, jeder Satz formal bewältigt, sogar jedes Sforzato an der richtigen Stelle. Allein, für eine bezwingende Interpretation ist das schlicht zu wenig. Nicht weil es nicht neu wäre, das spielt keine Rolle. Nein, einfach weil Lewis sich zu Beethoven verhält wie der artige Schüler zu einem strengen Lehrer. Er sitzt dort, hebt den Finger, wenn er gefragt wird, und weiß die richtige Antwort. Dafür kriegt er die Eins. Aber wir kriegen keinen Beethoven, der uns packt.

Tom Persich



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