Responsive image

Now

Angelika Niescier

Blue Pearls/Indigo 980062
(42 Min.)

Die Komponistin und Altsaxofonistin Angelika Niescier ist eine Musikerpersönlichkeit der Extraklasse. Trotz Hochschulabschluss mit Auszeichnung ist die Mittvierzigerin kein Einheits-Produkt skalengeübter Moderne. „Ich bin Coltrane-geschädigt“, sagt sie augenzwinkernd, hat sie doch zu einer ganz eigenen Stimme auf ihrem Instrument gefunden. In dessen Klang schleicht sich ja oft bei aberwitzig neutönerischen Kaskaden etwas entrückt dünn-tönend Nerviges. Auch Niescier beherrscht diese Kaskaden, doch sind sie bei ihr stets geerdet, korrespondieren immer mit einem klaren Ideenfluss und sei er auch noch so sprudelnd. Immer wieder artikuliert sie mit der Kraft eines Tenoristen und weiß doch auch um die Klarheit klassischer Tongebung.
Im Zuge einer Auftragskomposition für das Alto Adige Festival 2012 kam es zu einer folgenschweren Begegnung mit zwei italienischen Erzmusikanten ihrer Generation. Der eine ist der Akkordeonist Simone Zanchini, der als großer Eklektiker mit den Instrumentalsolisten der Mailänder Scala ebenso unterwegs ist wie mit Jazzern aller zeitgenössischen Genres; bei dem anderen handelt es sich um den Kontrabassisten Stefano Senni; auch er ist mit allen Wassern des zeitgenössischen Jazz gewaschen. Mit Niescier als Leader von Gleichberechtigten sind Saxofonistin, Akkordeonist und Bassist zu einem traumhaften Ensemble zusammengewachsen. Auf „Now“ präsentiert es eine prall sinnliche Musik, bei der ein Gedanke an ein Schlagzeug erst gar nicht aufkommt. In überschäumenden Interaktionen wird Melos zu Rhythmus. Das Akkordeon verdichtet ihn – vom grummelnden Bass lustvoll unterstützt – zu vielstimmiger Ausgebufftheit, und das Saxofon kontert stets auf dem Punkt mit blitzgescheiten Repliken. Mitreißend steigert sich das zu kühner Freiheit und findet in einem verfremdeten Standard seinen stimmigen Höhepunkt und Abschluss. Das Ergebnis ist Musikgenuss ganz großer Klasse!

Thomas Fitterling, 11.04.2015



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Es liegt etwas Flirrendes, Sommerliches, ungemein Modernes in der französischen Musik zwischen 1900 und dem Erstem Weltkrieg, ein Aufbruch, der erst recht vollzogen werden konnte, als sich ein paar Komponisten gegen die Übermacht der Tonsprache Richard Wagners zu stemmen begannen. Doch was könnte man einer so perfekt ausgearbeiteten, fließenden Romantik entgegenstellen? Diese Frage führte Claude Debussy und Maurice Ravel dazu, sich im spielerischen Umgang mit der Vergangenheit neue […] mehr »


Top