Der größte Uraufführungsskandal der Musikgeschichte machte ihn 1913 im Alter von 38 Jahren mit einem Schlag weltberühmt. Dabei hatte Pierre Monteux schon zwei Jahre vor "Le sacre du printemps" mit "Petruschka" ein anderes Strawinski-Werk aus der Taufe gehoben und sich auch bei Kompositionen von Ravel und Debussy bereits als Geburtshelfer betätigt. Er saß bei der Premiere von Francks d-Moll-Sinfonie im Publikum, spielte als Mitglied eines Streichquartetts Brahms eines von dessen eigenen Werken vor, kannte so gut wie alle großen Tonsetzer des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts persönlich, wurde als Dirigent selbst ein Klassiker.
Aus Anlass seines 50. Todestages – Pierre Monteux starb am 1. Juli 1964 in seiner Wahlheimat USA, deren Staatsbürgerschaft er über 20 Jahre zuvor angenommen hatte – ehrt Sony den Maestro mit einer 40-CD-Box, die alle zwischen 1941 und 1961 für RCA entstandenen Aufnahmen mit "seinen" beiden amerikanischen Orchestern, dem San Francisco Symphony Orchestra und dem Boston Symphony Orchestra, enthält. Gerade an ersterem, das er von 1936 bis 1952 leitete, lässt sich die stetige Qualitätssteigerung durch Monteux' Arbeit bestens verfolgen.
Einige Werke, die man besonders eng mit dem Dirigenten assoziiert, wie die "Symphonie fantastique", die Zweite von Brahms oder eben der "Sacre", finden sich gleich doppelt in der Box, Francks d-Moll-Sinfonie sogar dreifach. Dazu natürlich Debussy und Ravel, aber auch Beethoven und Tschaikowski, "La Traviata" mit Rosanna Carteri und "Orfeo ed Euridice" mit der wunderbaren Risë Stevens (beide in Rom aufgenommen) sowie eine ganze Reihe höchst kennenswerter Raritäten von d'Indy. Abgerundet wird diese Hommage von einem halbstündigen Interview mit Monteux zu seinem 80. Geburtstag. Eine ideale Gelegenheit also, sich (wieder einmal oder erstmals) eingehender mit diesem mittlerweile leider etwas aus dem Blickfeld geratenen Orchesterformer zu beschäftigen.

Michael Blümke, 03.01.2015



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