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Manhattan Moonrise

The Microscopic Septet

Cuneiform/Broken Silence Rune 370
(61 Min.)

Das Microscopic Septet, gegründet 1980 vom Sopransaxofonisten Philip Johnston und dem Pianisten Joel Forrester, war eine Kultband der New Yorker Downtown-Szene. Ungewöhnlich war die blechbläserlose Besetzung, es handelte sich um ein Saxofonquartett mit Rhythmusgruppe. Lustvoll jonglierten The Micros – so die Kurzform des Bandnamens – als Brüder im Geiste des von ihnen bewunderten Willem Breuker mit Elementen von Louis Armstrong bis Albert Ayler und bedienten sich ausgiebig bei den großen Swing Big Bands. Im Jahr 1992 lösten sich die Micros auf. Der Erfolg der Reissues ihrer Alben führte 2006 zur Wiedervereinigung der Band. Heute allerdings sind Auftritte und Einspielungen selten, denn Johnston lebt mittlerweile in Australien und Forrester zeitweise in Paris.
Nach einem höchst originellen Album mit Monk-Material legen die Micros nun eine Einspielung vor, die ausschließlich Stücke der beiden Bandleader enthält. Unmittelbar knüpfen sie an das Musizierideal von einst an. Mächtig swingend und unbändig Laune machend kommt die Musik daher, flirtet auch schon mal launig mit Klezmer, Tango, Rock und Beethoven. Ausgiebig nutzten die Leader-Komponisten als Arrangeure die Möglichkeiten der Besetzung. Lustvoll ausgelassen ist das Spiel über raffinierte Harmonien, und die Soli zeugen von einem trockenen Humor, der wohl als typisch New Yorkerisch gelten darf. „Herz und Hirn sollen angesprochen werden“, kommentiert Johnston das Programm, und das gelingt den Micros fabelhaft – vielleicht auch deswegen, weil sie ihren Weg abseits des üblichen Jazznetzwerks mit seinen institutionalisierten Ausbildungsstätten gemacht haben.

Thomas Fitterling, 08.11.2014



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