RCA/Sony 88875 02232 2
(52 Min., 7/2010 - 12/2012)
Einen höchst willkommenen Nachschlag zu ihrer zwischen 2004 und 2008 entstandenen fulminanten Gesamteinspielung der Beethoven-Sinfonien gönnen uns Paavo Järvi und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen mit einigen der Ouvertüren des Komponisten. Und dieses "einige" ist als deutlicher Vorwurf zu verstehen, denn eine Gesamtspielzeit von nicht einmal 52 Minuten ist schon eine Frechheit, da wäre durchaus noch Platz für "Die Ruinen von Athen" und/oder "König Stephan" gewesen. Das ist aber auch schon der einzige Kritikpunkt an dieser CD, denn die künstlerische Qualität ist erneut überragend.
Jede der sechs Ouvertüren bekommt ihr eigenes Gepräge, da wird nicht nach einem vereinheitlichenden Beethoven-Schema gestaltet. So stellen die Musiker bei "Die Geschöpfe des Prometheus" die Mozart-Nähe ganz deutlich heraus, versuchen nicht, das Stück aufzubauschen. Wunderbar auch die sich ganz im Geiste Händels präsentierende lange Einleitung von "Die Weihe des Hauses", die dann ganz selbstverständlich in den "moderneren" Hauptteil überleitet. Ob die kernig federnde "Fidelio"-Ouvertüre oder der perfekt zwischen schicksalsschwanger und hoffnungsvoll austarierte "Egmont" – hier gibt es nur Treffer. Der Haupttreffer aber ist ohne Zweifel die "Coriolan"-Ouvertüre: Der Gegensatz zwischen dem schroffen Haupt- und dem lyrischen Gegenthema ist selten so aufregend herausgearbeitet worden, in ihrer auffahrenden Zerrissenheit ist das die radikalste Interpretation, noch mitreißender (obwohl das fast nicht möglich scheint) als die übrigen fünf Werke auf dieser rundum gelungenen CD.
Michael Blümke, 01.11.2014
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