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Trio 3, Vijay Iyer

Intakt/harmonia mundi INT233
(70 Min., 8/2013)

Trio 3, das ist geballte schwarzamerikanische Jazzgeschichte aus dem Geiste der Avantgarde der 60er Jahre. Schlagzeuger Andrew Cyrille sorgte einst bei Cecil Taylor, dem Meister des „Chaos unter Kontrolle“, für die rhythmische Erdung, Reggie Workman am Kontrabass lieferte für John Coltrane und andere Heroen des Aufbruchs das Tieftonfundament, und Oliver Lake erschloss dem Altsaxofon eine zu Ornette Coleman alternative Sprache jenseits einer oft nervenden post-boppischen Turbo-Virtuosität; mit seiner in der Expressivität einem Tenor ebenbürtigen Stimme spielte er im World Saxophone Quartet eine Schlüsselrolle.
Als Trio machen diese drei Altmeister eine Musik, die weise die jüngere Jazzgeschichte resümiert und dabei immer noch auf frischer Entdeckungsreise ist. Häufig suchen sie sich Gäste als Impulsgeber, und der indisch-stämmige amerikanische Piano-Shootingstar Vijay Iyer erweist sich auf dieser Produktion als Glücksfall. Oft als quasi naturwissenschaftlich intellektueller Analyst apostrophiert, zeigt sich Iyer hier als Musiker, der die Tradition der Musik, wie sie seine Partner geprägt haben, zutiefst verinnerlicht hat und ihr gleichzeitig Impulse aus dem Hier und Jetzt vermittelt. Vier der elf Titel sind kraftvoll rhythmisch und harmonisch strukturiert, einer ist eine quasi minimalistische Studie von Andrew Cyrille über Art Blakeys Trommelkunst, die anderen sechs folgen offenen, frei pulsierenden Gestaltungsprinzipien. Alle aber überzeugen mit einer Ausgewogenheit und einer Ökonomie der Gestaltungsmittel, letztlich ist jeder Track von einer bewegenden inneren Stimmigkeit.

Thomas Fitterling, 16.08.2014



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