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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



Dass man sich diese "Trovatore"-Konstellation nicht entgehen lassen und sie konservieren würde, war abzusehen. Dass man sich allerdings die Kameras nicht gespart und stattdessen gleich auf eine CD-Veröffentlichung gesetzt hat, ist einfach nur dumm. Denn das peinliche Kasperletheater, das Regisseur Philipp Stölzl da auf der Bühne des Berliner Schiller Theaters abziehen lässt (die zu albernem Herumgehampel genötigten Choristen können einem leidtun!), ist überflüssig wie ein Kropf. Konsequent treibt er den Handlungen und Emotionen der Figuren den letzten Rest dramaturgischer Glaubwürdigkeit aus. Deshalb auch nur drei Punkte für diese DVD/Blu-ray – die musikalische Seite allein hätte vier verdient.
Da nämlich horcht man gleich zu Beginn bei der Ferrando-Erzählung des sonoren, geschmeidig-eleganten Adrian Sâmpetrean auf. Plácido Domingos Luna kommt zwar ziemlich kurzatmig daher, zaubert aber wieder einen Bronzeschimmer auf die Stimmbänder und klingt hier längst nicht so matt und müde wie auf seinem Verdi-(Bariton-)Recital. Manrico-Einspringer Gaston Rivero überzeugt mit leicht metallischem Kern in seinem hellstimmigen, sehr einnehmenden Tenor. Marina Prudenskayas bewegliche Stimme ist für die Azucena etwas zu leichtgewichtig, in der Tiefe nicht gefestigt genug, macht mit ihrer sicheren Höhe aber bella figura. Schließlich Anna Netrebko als Leonora: Barenboims langsame Tempi in ihren Arien nutzt sie mit großzügiger Phrasierung für herrlich weite Bögen, lässt ihren warmen, runden, mittlerweile etwas dunkler gefärbten Sopran in den oberen Lagen betörend aufblühen – zum Schwelgen schön. Nur eben leider (noch?) nicht auf CD …

Michael Blümke, 16.08.2014



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