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Driftwood

Wolfgang Muthspiel

ECM/Universal 3756400
(43 Min., 5/2013)

Der Gitarrist Wolfgang Muthspiel ist ein aktualitätsoffener Traditionalist, ein Virtuose sowohl des elektrischen als auch des akustischen Instruments. In seiner ureigenen euro-amerikanischen Stilistik spielen logische Motivik und dichte harmonische Strukturen eine große Rolle. Für sein neuestes Album als Leader hat er sich der Obhut von ECM und Manfred Eicher als Produzent anvertraut. Im Trio mit dem Kontrabassisten Larry Grenadier und dem Schlagzeuger Brian Blade, Muthspiels gelegentlichem Duo-Partner, wollte der Gitarrist eine Musik einspielen, die das Klaviertrio-Ideal auf die Gitarrenbesetzung – je zur Hälfte akustisch bzw. elektrisch – überträgt.
Muthspiel denkt dabei besonders an polyphone Strukturen. Dem Bass kommt dabei eine wichtige kontrapunktische Stimme zu, aber auch diskret eingesetzte gitarrenpedaltechnische Möglichkeiten erweitern die Stimmpalette. Vier der acht Stücke werden rubato vorgetragen, eines ist eine Ballade, nur drei haben eine klar konturierte, feinnervig pulsierende Rhythmik, dabei ist Brian Blade doch der Schlagzeuger, der heute die hohe Kunst der dynamisch vielschichtig vorwärtstreibenden Beckenarbeit aus dem Geiste eines Tony Williams am begeisterndsten vertritt. Die acht Stücke Treibgut wirken wie faszinierend kalkulierte in die Zukunft weisende Skizzen, die sich immer wieder bis in das Sounddesign des Beckenklanges seltsam zurücknehmen. Aber vielleicht ist ja gerade das der große Schöpfungsakt, dass der Zuhörende ein großes Werk imaginierend vorweg extrapolieren kann – das bedeutet dann doch vier statt drei Notenpunkte.

Thomas Fitterling, 31.05.2014



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