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Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierkonzerte Nr. 22 Es-Dur und 27 B-Dur

Alfred Brendel, Scottish Chamber Orchestra, Charles Mackerras

Philips 468 367-2
(68 Min., 9/2000) 1 CD

Diese Mozart-CD ist fast schon wieder zu schön, um wahr zu sein: Das Schottische Kammerorchester, unter Mackerras’ Anleitung das Mozart-Ensemble heute, spielt mit der wie selbstverständlichen Pointierung, die wortloses Verständnis signalisiert; und Brendel deklassiert seine früheren Aufnahmen mit Marriner, indem er das Kunststück fertig bringt, das Material zugleich abgeklärt-souverän und in entdeckerisch frischem Tonfall hinzustellen.
Die Tatsache, dass alle Beteiligten das „im Schlaf“ könnten, bedeutet in diesem Fall nur, dass sie größtmögliche Freiheit haben dem Werk gegenüber – zum Beispiel jene, Binnenstimmen neu auszuleuchten, subtile Querverbindungen aufzudecken, Akzente eleganter in den Ablauf zu integrieren.
Im Mittelsatz von KV 482, einem ziemlich exzentrischen, aber auch recht verzagten Andante mit Variationen, können wir hören, was Joachim Kaiser einst meinte mit: Alfred Brendel hat eine philosophische Dimension in seinem Klavierspiel hinzugewonnen. Was aber nun gedeutet werden könnte als Überfrachtung des Materials (anderswo unterlief diese Brendel nämlich durchaus), respektiert gleichwohl immer dessen gesellschaftliche Grenzen – Mozart war nun mal kein Mahler, und schon gar kein Bernstein. Sein Leiden wahrt stets die Diskretion der Form. Aber was Brendel darf, das macht er auch: Er färbt den stets als „heiter beschwingt“ beschriebenen Schlusssatz mit der Melancholie des vorangegangenen (und bekräftigt das mit seiner eigenen, geradezu Schubert und Schumann evozierenden Kadenz). Nur eine Farbe, aber sie eint das Werk auf ungewohnte Art – in satzübergreifender „Philosophie“. Auch das hat Mozart komponiert, man muss es nicht so spielen, aber man darf es, wie gesagt.
Erwähnenswert noch, dass auch die Aufnahmetechnik bei diesem „Fast-zu-schön-um-wahr-zu-sein“ mitspielt: eine der am natürlichsten klingenden Klavier-Orchester-Aufnahmen seit langem!

Thomas Rübenacker, 21.06.2001



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