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Framed Frequencies

Lisbeth Quartett

Traumton/Indigo 982502
(67 Min., 6/2013)

Allein schon der Umstand, dass das Quartett der Altsaxofonistin Charlotte Greve nahezu unverändert auch im fünften Jahr noch besteht und die Übersiedlung von Greve und ihrem Pianisten Manuel Schmiedel nach New York überlebt hat, macht diese Formation außergewöhnlich. Mit einer unaufgeregten, dafür umso konzentrierteren formbewussten Musik erspielte sich das Quartett 2012 einen Echo als Newcomer des Jahres. In einem RONDO-Interview betonte die 26-jährige Bandleaderin, es gehe ihr um eine Band als Kollektiv und das solle sich auch in einem neutralen Namen abbilden – eben ihrem Rufnamen als Kind. Außerdem sehe sie die Formation nicht als klassisches Saxofonquartett, also nicht als Quadrat, sondern als Kreis, in dem keiner vorne und keiner hinten stehe.
Bislang vollzog sich also Greves Musik, die quasi das Erbe Lee Konitz’ und Bill Evans’ in die aktualisierte Form neuer Innerlichkeit transferiert, in höchst sensibler Kreisbewegung. Marc Muellbauer, dem Kontrabassisten mit dem beseelten Ton, und dem feinsinnigen Schlagzeuger Moritz Baumgärtner kam dabei eine zentrale kinetische Rolle zu. Auf diesem Album nun empfängt die Musik, die ausschließlich aus der Feder Greves stammt, ihre Impulse in konzentrischer Bewegung von Greve im Zentrum nach außen und ist höchst beschaulich, fast statisch. Der New Yorker Einfluss lässt sich in einem formbestimmenden Selbstbewusstsein erahnen. Die aberwitzige Energetik eines Steve Lehman scheint mitunter in der Metamorphose einer entschleunigten, zu Herzen gehenden, abstrakten Schönheit auf und macht die „Framed Frequencies“ umso berührender.

Thomas Fitterling, 15.02.2014



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