Wenn eine Oper nach einer ihrer Figuren benannt wird, sollte der Interpret dieser Titelrolle sie im Idealfall auch entsprechend ausfüllen und damit zum Mittelpunkt des Werkes machen können. Genau das gelingt Alex Penda (ehemals Alexandrina Pendatchanska) bei diesem Live-Mitschnitt vom letztjährigen "Rossini in Wildbad Festival" als Semiramide auf spektakuläre Weise. Die Bulgarin lodert, ja, brodelt geradezu vor Emotionen, einem mühsam in Zaum gehaltenem Vulkan gleich. Doch so sehr sie auch kurz vor dem Ausbruch zu stehen scheint, so perfekt kontrolliert führt sie ihren dunkel gefärbten Sopran. Da profitiert sie deutlich von ihren zahlreichen Barock- und Mozart-Erfahrungen mit René Jacobs. Schon allein ihrer Exuberanz wegen lohnt sich die Anschaffung dieser Aufnahme.
Erfreulicherweise aber ist sie von Kollegen umgeben, die ebenfalls wissen, wie man Rossini zum Genuss macht. Marianna Pizzolatos warmer Mezzosopran zeichnet sich durch vokale Souveränität und Phrasierungsgeschmack aus und lässt ihren Arsace zu einem wahrlich würdigen Partner werden. Mit John Osborn wurde ein nicht übermäßig eleganter, dafür beeindruckend höhensicherer Tenor verpflichtet, der sich sehr beweglich durch Idrenos reichlich zu meisterndes schnelles Passagenwerk schlängelt. Als Assur steht mit Lorenzo Regazzo ein weiterer Jacobs-geformter Sänger auf der Bühne. Seine enorm anspruchsvolle Rolle meistert er – fast schon Ramey gleich – mit beachtlicher Koloraturgewandtheit und gut entwickelter Tiefe bravourös. Doch so hochkarätig dieses Ensemble auch ist: Sobald Pendas Semiramide die Bühne betritt, dominiert sie das Geschehen – ganz so, wie es sich für die Titelrolle geziemt.

Michael Blümke, 16.11.2013



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