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Voodoo Sense

Joachim Kühn

Act/edel 1095552ACT
(59 Min., 12/2011 und 2, 4, 11/2012)

„Joachim Kühn Trio inviting Archie Shepp“, verheißt die Cover-Rückseite. Auf über der Hälfte der Spielzeit steht der Meister des New Thing-Saxofons im Zentrum. Für dessen Mitwirkung hat Kühn sein Trio aus dem Schlagzeuger Ramon Lopez und dem marokkanischen Sänger und Basslauten-(Gemberi-)Spieler Majid Bekkas um den Sänger und Talking Drum-Meister Kouassi Bessan Joseph und mehrere nordafrikanische Vokalisten und Perkussionisten erweitert. Von Joseph stammen auch der Titelsong und ein Reigenlied in Voodootradition. Schwerpunkt der Saxofon-Interpretationen ist der von Juno Lewis stammende Coltrane-Klassiker Kulu Se Mama. Lange folgt der fast zwanzigminütige Vortrag mit Bekka als Sänger dem Entwurf des Originals, bis dann Shepp nur noch mit den Perkussionisten zu hören ist.
Immer mehr wird die Time zum freien Puls, als dann Gemberi und Klavier dazukommen, wähnt man sich neu geboren in Free Jazz-Zeiten. Kühn ist wieder dieser Lucky Luke der Tasten, der schneller als sein eigener Schatten - und wetteifernd mit diesem - Tontrauben türmt. Nach all der Voodoo-Beschwörung aus dem metallischen Klangsinn der Gnawa-Tradition gibt es eine bewegende, nahezu klassische Ballade des Saxofonisten mit dem Trio. Wieder läuft Shepp zu alter Großform auf, und Kühn ist sein idealtypischer Begleiter. Die CD klingt im Trio aus: Kühn und sein Schlagzeuger gestalten kongenial eine Elegie, und ein trefflich so betiteltes Firehorse beendet mit vertrackter ungerader Rhythmik ein mitunter disparates Programm.

Thomas Fitterling, 21.09.2013



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