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Wisława

Tomasz Stanko

ECM/Universal 3713772
(101 Min., 6/2012) 2 CDs

Tomasz Stanko, der knapp 71-jährige Ausnahmetrompeter aus Polen, ist erneut in die vibrierend lebendige Jazztradition New Yorks eingetaucht und hat mit jungen Musikern des Big Apple ein neues Quartett zusammengestellt. Mit dem Kontrabassisten Thomas Morgan und dem Schlagzeuger Gerald Cleaver hat er die hervorragend aufeinander eingespielten Partner des neuen Klavierstars Craig Taborn als Rhythmusteam in seiner Band, und sein Pianist David Virelles aus Kuba gebietet über die nördliche afroamerikanische Tradition ebenso wie über deren melancholische Ausprägung lateinamerikanischer Provenienz. Mit diesem Quartett hat Tomasz Stanko nun eine Hommage an die polnische Lyrikerin und Nobelpreisträgerin Wisława Szymborska eingespielt.
Die 2012 verstorbene Meisterin der vermeintlich einfachen kleinen Form und der melancholischen Ironie war dem Trompeter persönlich verbunden. Die elf Titel der Doppel-CD beziehen sich auf ihr Werk. Sie sind eingebunden in zwei lange Interpretationen der Titelballade. Überhaupt machen frei mäandrierende Balladen den Großteil des Programms aus. Produzent Manfred Eicher spricht von Stanko’schem Parlando. Aber es gibt auch die rhythmisch durchgängigen, zupackenden Stücke. Dabei ist die Musik stets geprägt von Stankos fragiler und dabei doch dunkel lodernder Klanggestaltung und jener für ihn typischen Melancholie, welche die vier Musiker im meisterlichen Warten- und Zuhörenkönnen bei der Durchdringung des formklaren Materials freilegen. Der Weg erscheint dabei als Ziel – und der hat durchaus seine langen Abschnitte.

Thomas Fitterling, 18.05.2013



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