So macht Wagner Spaß! Seit mindestens 15 Jahren gab es keine seiner Opern mehr in solcher Qualität auf CD zu genießen. Valery Gergiev geht mit seinem Mariinsky Orchester den "Ring des Nibelungen" an und legt gleich mit dem ersten Streich die Latte richtig hoch. Diese "Walküre" weckt sofort die Begierde nach den übrigen Teilen (der Vorabend erscheint als zweite Folge im Herbst). Das ist gut, so soll es sein. Das steigert aber auch die Erwartungshaltung an diese Produktion. Wenn dieses Niveau allerdings gehalten wird, hätten wir damit endlich einmal wieder einen rundum großartigen "Ring". Und einen, der zudem noch mit exzellenter Klangqualität punktet.
Gergiev, der sonst gerne den Hansdampf gibt, zaubert eine "Walküre" von geradezu kammermusikalischer Durchhörbarkeit und farbintensiver Delikatesse, die gleichzeitig von einer enormen Vitalität und dramatischen Kraft geprägt ist. Bei den prachtvollen Solisten gibt es nur kleinere Einwände. Am ehesten noch bei Anja Kampe, die als Sieglinde immer wieder mal an ihre Grenzen stößt, alle problematischen Stellen aber stets geschmackvoll löst. René Pape stattet Wotan mit Autorität und Machtbewusstsein aus, schade nur, dass seine bekannte Überakzentuierung der Vokale einer stärker Legato-orientierten Phrasierung entgegensteht. Die stimmliche Seite ist dafür wirklich beeindruckend, zumal kein echter Bass – und ein solcher ist Pape – den Göttervater mit seinen reichlich geforderten Baritonhöhen je so souverän gemeistert hat. Jonas Kaufmann hat mit dem Siegmund seine Idealpartie gefunden. Und Nina Stemme begeistert mit einer zugleich lyrischen und durchschlagskräftigen, schlank fokussierten Brünnhilde. Ein Sängerfest, wie man es bei Wagner viel zu selten präsentiert bekommt.

Michael Blümke, 16.02.2013



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top