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Silfra

Hilary Hahn, Hauschka

DG/Universal 479 0303
(52 Min., 5/2011)

Dieses Album entstand in Island, also dort, wo die nordamerikanische auf die eurasische Kontinentalplatte trifft, und auch die Aufnahme unter dem Titel „Silfra“ steht symbolisch für das Verschmelzen verschiedener Stile und klanglicher Welten. Das zeichnet seine beiden Interpreten aus, die Geigerin Hilary Hahn und den Düsseldorfer Pianisten Volker Bertelmann, alias Hauschka. Beide betonen, dass diese jazzige Platte das Ergebnis einer Improvisationsübung ist, eines Experiments, in dem sich die wilden Kräfte der menschlichen Fantasie entfaltet und vereint haben. Lediglich das Stück „Krakow“, eine melancholische, wenngleich melodisch durchdeklinierte Hommage an die polnische Stadt Krakau, wurde im Vorfeld der Aufnahmen komponiert. Alles andere also spontanes Ad-hoc-Musizieren, das sich – so stellt der Autor nach mehreren Klangeindrücken fest – im Genuss und Hörvergnügen stark unterscheidet.
Das Stück „Bounce Bounce“ etwa wirkt im Zusammenspiel aus kratzbürstigem Bogenstrich und hartem Tastenschlag derart eruptiv, dass man vor lauter Schlägen schnell weiterschalten möchte. „Ashes“ wiederum, eine minimalistische, in den harmonischen Doppelgriff-Passagen geradezu andächtig wirkende Komposition, vermag deshalb zu überzeugen, weil sie nicht so sehr auf Exaltiertheit setzt, sondern auf innere Ruhe und Zwanglosigkeit. Man wird mit unterschiedlichsten Eindrücken konfrontiert, mit kakofonen Klangfarben und mechanisch auf die Spitze getriebenen Knall-Effekten, die an die Facetten der Naturgewalten erinnern. Das ist nicht durchweg uninteressant, aber im Endeffekt doch zu unentschlossen, als dass die Gesamtaufnahme mitreißen könnte. Gerade die extrovertierten, gewaltvollen Stücke kommen derart übertrieben akzentgeladen daher, dass der letzte Eindruck schließlich ambivalent bleibt.

Tomasz Kurianowicz, 09.06.2012



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