Responsive image

Beyond Words

Ulrich Drechsler

Enja/Soulfood ENJA9717
(58 Min., 3/2011 - 6/2011)

Der Bassklarinettist Ulrich Drechsler aus dem Schwabenland verweigert sich der deutschen Hauptstadtszene. Wilder Eric-Dolphy-Gestus ist ihm fremd. Sein musikalisches Zuhause fand er in Wien, wo sich der Strom aus seiner Heimat zum Südosten des Kontinents hin weitet. Auf unterschiedlichen Spuren der Magie des neuen Raumes folgend liebt Drechsler den Wandel. Nach einem Quartett-Projekt mit zwei Celli legt er nun ein Trio-Album vor, zu dem noch Benny Omerzell am Klavier und Lukas König am Schlagzeug gehören. Die sind der neuen Innerlichkeit zuzurechnen und wissen auch um die Musik von [em]. Prägend aber sind die Kompositionen Drechslers und sein Credo: „Mein größtes Ziel beim Musikmachen ist es, DEN einen Ton zu spielen. Den, der alles, was ich ausdrücken möchte, in sich vereint.“ Um dieses Ziel zu erreichen, sind die Titel – weitgehend Klangschönheit nicht scheuend – melodisch und harmonisch durchstrukturiert und verweigern sich bewusst pulsierender Power-Dynamik freier Interaktion, sind aber einem Flirt mit ausgebuffter Rhythmik nicht abhold. Faszinierend ist dabei, wie Drechsler zu den – Herz und Verstand betörend vereinigenden – Einlassungen des Klaviers adäquate, ganz auf Kontrabass-Ersatz-Versuche verzichtende Begleitfiguren findet und so das Geschehen im Sinne seiner Tonsuche kontrolliert. Ein Paradoxon allerdings ist, dass die mit dem Titel implizierte Expression, ausgerechnet in den beiden Songs am stärksten ist, bei denen die dunkel kraftvolle Stimme Efrat Alonys der Musik mit Worten Ausdruck verleiht.

Thomas Fitterling, 19.05.2012



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

An den Feiertagen immer wieder dieselben Weihnachtsklassiker hören? Wem dabei potenziell eher langweilig wird, dem sei die CD „O heilige Nacht“ des Dresdner Kammerchores wärmstens ans Herz gelegt. Was dem Titel nach zunächst verdächtig nach traditionellen Arrangements klingt, entpuppt sich beim genaueren Hinschauen und Hinhören als vokaler Ausflug in eine Zeit, auf die für Weihnachtsmusik nur selten zurückgegriffen wird: die Romantik. So singt der Chor unter der Leitung von […] mehr »


Top