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Flute Fables

Geoff Warren

Tutu/Fenn TUTU CD 888234
(70 Min., 2/2010 & 7/2010)

Originäre Jazzflötisten sind eher selten. Selbst ein Eric Dolphy, Yusef Lateef oder Roland Kirk waren – hörbar – zuerst Saxofonisten. Bei dem Engländer Geoff Warren ist das anders. Von Kind an hat er sich für die Flöte begeistert und diesem Instrument sein Leben untergeordnet. Als Jugendlicher entwickelte er in den 1970er Jahren neben seinem grundständigen Interesse für die klassische Flötenliteratur eine parallele Begeisterung für die Klassische Moderne und den frühen Fusion-Jazz der Soft Machine mit ihren ungeraden Rhythmen und spielte nun zusätzlich auch Saxofon. Bald wurde der legendäre Bandleader Graham Collier zu seinem wichtigen Mentor. Jetzt hat er nach einer Reihe von Quartett-, Trio- und Duo-Einspielungen ein Soloprojekt gewagt und dabei ein erstaunlich abwechslungsreiches und gar nicht spröde oder intellektuell verquastes Werk geschaffen.
Warren nützt die Klangfarben von C-, Alt- und Bassflöte; er weiß um das Sprechen in der Musik, ist ein begnadeter Erzähler und nutzt diskret die strukturierenden Codes der Formensprache europäischer Tradition und des Jazz. Trotz aller Virtuosität ist ihm vordergründige Kraftmeierei völlig fremd. Melodischer Reichtum geht mit raffiniert tänzerischer Rhythmik Hand in Hand. Gelegentlich kommen Loops, ergänzendes Sounddesign oder Overdubs zum Einsatz. Das mag trotz der immanenten Logik der jeweiligen Stücke den strengen Solo-Flöten-Charakter des Gesamtalbums sprengen – und wenn schon, dessen Musik erfreut einfach erhebend Herz und Sinn.

Thomas Fitterling, 05.05.2012



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