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Dreamer In Concert (live)

Stacey Kent

Blue Note/EMI 6809322
(65 Min., 5/2011)

Die Stimme der 43-jährigen Sängerin Stacey Kent trifft unmittelbar ins Herz. Als Studentin der vergleichenden Literaturwissenschaften kam die junge Amerikanerin einst nach Europa. In Oxford lernt sie ihren Ehemann, den Saxofonisten Jim Tomlinson, kennen und entdeckt mit ihm den Jazz. Nach kurzem Studium an der Guildhall School of Music verzaubert sie alsbald das Jazzpublikum in London und – auf Französisch – wenig später auch das in Paris; diese Sprache hatte sie als Kind vom Großvater gelernt. In Paris hat sie jetzt mit dem klassisch besetzten Quartett ihres Mannes ein live-Album eingespielt. Es war ein Heimspiel: Mittlerweile betrachten die Franzosen Stacey Kent quasi als eine der Ihren. Eine Aura von Jean Seberg ist um diese Sängerin. Mit heller, fast zerbrechlich mädchenhafter Stimme artikuliert sie klar und phrasiert swingend mit typisch amerikanisch lässiger Natürlichkeit. Unschuldige romantische Emotionalität und Verletzlichkeit der reifen Frau schließen sich dabei nicht aus. Das hat etwas von Billie Holiday, und die diskreten Saxofonsoli unter ihrem Gesang erinnern in ihrer Stan-Getz-Verbundenheit an Lady Day’s großen Partner Lester Young. Das Programm des Abends war eine klug gewählte Mischung aus brasilianischen, amerikanischen und französischen Standards sowie Kent-Originals. Die bezaubernde Anverwandlung jedes einzelnen Titels machte Authentizität zu beglückend erlebter Selbstverständlichkeit. Das Schlagzeug hätte da gerne noch eine Spur risikobereiter agieren dürfen.

Thomas Fitterling, 28.01.2012



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