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Melting Game

Günter Baby Sommer, The New Trio

jazzwerk/Jazzwerkstatt JW 101
(57 Min., 6/2010)

Kaum ein anderer Musiker steht so sehr für die Eigenständigkeit des New Jazz Mitteleuropas wie der 68-jährige Schlagzeuger Günter Baby Sommer aus Dresden. Sein Verortet-Sein in seiner Heimat mit der großen Schlagwerktradition ist von ebenso eminenter Bedeutung für seinen einmaligen Individualstil wie seine Akkulturation der Jazztradition und sein freiheitshungriger improvisatorischer Impetus. Powerplay steht da durchaus neben differenziert und feinnervig gestalteter rhythmischer Klangmelodik. Humor und entschieden klare spielerische Artikulation sind stets präsent. Ungezählt sind die Projekte, an denen Sommer, immer wieder die Herausforderung suchend, mitwirkt. Jetzt lässt er mit einem neuen Trio aufhorchen. Fast konventionell wirkt für ein Sommer-Ensemble die Besetzung mit einem Kontrabassisten und einem Rohrblattbläser. Sommertypisch dagegen ist ihre Internationalität. Der Grieche und Teilzeitberliner Floros Floridis ist mit Klarinette, Bassklarinette und Altsaxofon zu hören, und der Japaner und Wahlberliner Akira Ando spielt Kontrabass. Das Programm besteht aus zehn Originals aller drei Musiker. Wer Action- oder Ereignismusik alter Sommer’scher Prägung erwartet, mag aufhorchen: Die Stücke sind klar thematisch und fast alle auch rhythmisch groovend strukturiert. Die Trommelmagie des Leaders verschwört sich immer wieder mit der grundierenden Kraft des Basses und animiert die Klarinette zu tänzerischem Tirilieren. Äußerst vergnüglich ist dieses Melting Game und mitunter auch tief- und hintersinnig.

Thomas Fitterling, 14.01.2012



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