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Diverse

Homage To Maria Callas

Angela Gheorghiu, Royal Philharmonic Orchestra, Marco Armiliato

EMI 6315092
(61 Min., 4/2010-2/2011)

"Die das sagen haben einfach keine Allgemeinbildung!" entgegnete Angela Gheorghiu in einem ARTE-Interview 2004 auf die Feststellung, dass viele sie mit der Callas vergleichen würden. Jetzt sucht sie selbst den Vergleich mit der griechischen Übermutter. Oder lässt ihn mit "Homage To Maria Callas" zumindest ihre Plattenfirma ziehen.
Das ist natürlich ebenso hirnlos wie unangebracht. Beide Sängerinnen haben – von ihrem Divenstatus einmal abgesehen – absolut nichts gemein, weder stimmlich noch im Ausdruck. Und Angela Gheorghiu hat den Vergleich auch gar nicht nötig, sie ist gewiss keine zweite Callas, aber sie ist die Gheorghiu, und das ist eine ganze Menge.
Die Sängerin kann sich nach wie vor auf ihre Ausnahmestimme verlassen, die bei allem Zugewinn an dramatischer Expansionsfähigkeit ein vorrangig lyrischer Sopran geblieben ist, keine Powerstimme also, aber eine mit exzellenter Strahlkraft. Einige Passagen kommen etwas flacher daher als früher und die Höhen werden mit geringfügig mehr Kraft gebildet, ansonsten aber steht dieser Stimme auch nach annähernd 20 Karrierejahren noch immer alles zu Gebote.
Viele Arien singt sie wunderbar selbstverständlich und ohne expressive Mätzchen, dazwischen finden sich aber leider auch völlig 'übergestaltete' Nummern, wo alles konstruiert wirkt, alles 'zu viel' ist. Als wollte sie beweisen, was sie an Ausdruck alles auf dem Kasten hat. Bei "La mamma morta" hat man schon nach den ersten Zeilen genug, da ist nichts echt empfunden, die ganze Szene eine einzige Pose. Ähnliches gilt für Mimì und Marguerite.
Hört man dann aber Adrianas "Poveri fiori", wo fast alle Kolleginnen dick auftragen, ist man von ihrer anrührenden Schlichtheit begeistert. Auch die Ausschnitte aus "Pagliacci", "La Wally" und "Samson et Dalila" überzeugen durchweg. Und sogar als Carmen verzichtet sie völlig auf Sperenzchen, einzig mit der Medea hat sie stimmlich zu kämpfen. Doch in ihrer Schicksalspartie Violetta ist die Gheorghiu nach wie vor überragend. Und da hat sie der Callas stimmlich doch etwas voraus – die hätte sich mit 45 nicht mehr an diese Rolle gewagt.

Michael Blümke, 12.11.2011



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