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Benny Green

JLP/Codaex JLP 1001014
(54 Min., 11-12/2010)

Angesichts der Flut von Klaviertrio-Einspielungen der neuen Innerlichkeit wirkt dieses Album des 48-jährigen Amerikaners Benny Green fast wie ein Anachronismus. Er selber versteht seine ersten Trio-Aufnahmen nach zehn Jahren Sideman- und Studioarbeit als bewussten Rückverweis auf die Quellen des modernen Jazz und will gleichzeitig Quelle für die nachfolgenden Generationen sein. Für Benny Green ist Traditionsbewusstsein Ausgangspunkt und Zentrum des musikalischen Schaffens. Er war Schüler und Freund der Größen der klassischen Moderne, war Pianist bei Art Blakey, Betty Carter und Ray Brown. Nicht verwunderlich also, dass in seinem Personalstil immer wieder Bud Powell, Oscar Peterson oder Tommy Flanagan präsent sind. Im vergangenen Jahr war Benny Green mit dem Flanagan- und Blakey-Alumnus Peter Washington am Bass und dem – nur namensverwandten – Kenny Washington am Schlagzeug in Japan als Rhythmusgruppe unterwegs. Ebenfalls nicht verwunderlich also, dass Green in diesem Bassisten und dem langjährigen Drummer der Hard-Bop-Legende Johnny Griffin ideale Partner für ein Trio erkannte und alsbald beschloss, die vorliegende Aufnahme einzuspielen. Vom ersten Ton an besticht diese Musik mit dem zupackend swingenden Impetus boppenden Mainstreams. Praktisch alle Titel sind Jazz-Originals des Bebop und Hard Bop. Perfekt wird nahezu jedes Register dieser Stilistik gezogen. Blitzsauber sind Spiel- und Aufnahmetechnik. Immer wieder doppelt Green virtuose Single-Note-Linien der linken Hand mit seiner rechten. Äußerst kraftvoll ist der Walking Bass und geschmackssicher und gruppendienlich weiß Kenny Washington das Geschehen mit ungeheuer variabler Textur zu unterfüttern. Ein Schelm, wer bei all dem Böses denkt und von einem Eindruck musterschülerhafter Quellenpflege sprechen will.

Thomas Fitterling, 28.05.2011



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