Es gibt sie noch – wenn auch nicht mehr viele: Tenorpartien, die Plácido Domingo noch nicht auf CD eingespielt hat. Loris, der Held aus Umberto Giordanos "Fedora" war eine davon, jetzt hat der rüstige Jubilar auch diese Lücke gefüllt. Die Höhe bereitet Placidissimo mittlerweile hörbar Schwierigkeiten, sie klingt reichlich angestrengt, auch vom Schmelz der Stimme ist nicht mehr allzu viel vorhanden, doch nach wie vor singt er sicher und geschmackvoll, sein unfehlbarer Sinn für Timing und Phrasierung tragen das ihre zu einem trotz allem noch immer positiven Eindruck bei.
Angela Gheorghiu in der Titelrolle ist ein Phänomen. In den 15 Jahren, die die Sängerin jetzt seit ihrem Durchbruch als Violetta am Royal Opera House zur Weltspitze zählt, hat die Stimme nicht gelitten, es sind so gut wie keine Abnutzungserscheinungen oder gar Beschädigungen festzustellen. Der Sopran ist etwas dunkler geworden, ein wenig dramatischer, hat jedoch seine lyrischen Qualitäten nicht eingebüßt. Unverändert differenziert geht die Rumänin zu Werke, koloriert, schattiert, nuanciert ihr edles Material, gestaltet den Text sinnfällig. Und lässt den Zuhörer doch seltsam kalt. Das alte Gheorghiu-Problem: Man lauscht gebannt, doch das Leid und Schicksal der Protagonistin berühren einen nicht wirklich.

Michael Blümke, 05.02.2011



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