Er ist einer der wenigen Operndirigenten, die Sänger wirklich lieben und sie nicht als lästige Konkurrenz beim Schlussapplaus betrachten. Und das hört man. Sänger dürfen sich bei Antonio Pappano immer gut aufgehoben fühlen und auf optimale Arbeitsbedingungen freuen. Hierin ist er seinem 16 Jahre älteren Kollegen James Levine sehr ähnlich. Wie dieser versteht es auch Pappano perfekt, Höhepunkte aufzubauen und durchaus effektvoll (dabei aber stets stimmfreundlich) auszukosten, weiß aber auch um Zwischentöne und dynamische Schattierungen. Qualitäten, die auch in seiner neuen Einspielung von Rossinis "Stabat Mater" mit dem exzellenten Chor und dem bestens vorbereiteten Orchester der Accademia di Santa Cecilia zum Tragen kommen.
Das Vokalquartett ist eines der besten auf Tonträgern, für gewöhnlich schmälert ja immer zumindest ein Solist das Hörvergnügen. Nicht so hier. Auch wenn Ildebrando D'Arcangelos Stimme für einen Basso cantante nicht geschmeidig genug und für einen erst 40-Jährigen deutlich 'zu alt' klingt, meistert er seinen Part doch absolut einwandfrei. Lawrence Brownlee ist ein beeindruckend (höhen)sicherer Tenor, der stellenweise an den jungen Pavarotti erinnert. Anna Netrebko übt hier und da ein bisschen zu viel Druck auf ihre Stimmbänder aus, doch schmälert das den positiven Gesamteindruck kaum. Und Joyce DiDonato ist ohnehin wieder einmal eine Kategorie für sich.

Michael Blümke, 22.01.2011



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