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Eliane Elias Plays Live

Eliane Elias

Blue Note/EMI 50999 90827822
(71 Min., 5/2002)

Die aus Brasilien stammende Wahl-New Yorkerin Eliane Elias gibt seit dreißig Jahren dem modernen Mainstream immer wieder erfrischende Impulse. Als Sängerin ist sie eine kongeniale Interpretin der Musik ihrer Heimat. Am Klavier verbindet sie als begnadete Virtuosin gekonnt rhythmische Raffinesse mit harmonischer Sophistication; dabei bezieht sie sich in einer einmaligen Stilmischung auf die Pioniere Art Tatum und Bud Powell sowie auf Bill Evans und – besonders in unbegleiteten Passagen – auf den Keith Jarrett der 70er Jahre.
Im Jahre 2002 gab Eliane Elias in Amsterdam mit ihrem Trio ein Konzert, in dem sie sich ausschließlich als Jazzpianistin präsentierte. Sieben Titel umfasst die 71 Minuten lange CD; das allein schon verrät etwas über die live-typischen überbordenden Ausführungen mit langen Soli der einzelnen Triomitglieder. Im Konzert hat das seine Kohärenz in der Magie des Spannungsbogens des Gemeinschaftserlebnisses. Die CD-Konserve allerdings kann das so nicht vermitteln, auch wenn diese Aufnahme das Zeugnis eines sehr gelungenen Konzertablaufs ist. Wie einst Erroll Garner spielt die Pianistin mit der Publikumserwartung, indem sie lange, quasi als Rätsel angelegte Einleitungen formuliert, die dann schließlich in den oft als Paraphrasen gestalteten Themen nur schalkhaft aufgelöst werden. Der einzige Bossa-Klassiker darunter wird als solcher nicht explizit ausgespielt, sondern wie die anderen Standards und das eine Original einer aktuellen offenen Jazz-Trio-Behandlung unterzogen – mit den klassischen Ritualen wie Schlagzeuger-Vierer und dergleichen. Aufgenommen wurde das Ganze vom niederländischen Rundfunk NPS. Dort pflegt man wohl eine etwas eigenwillige Auffassung von Schlagzeugklang; etwas mehr Wärme beim Sound der Trommeln wäre den ausführlichen und durchaus auch hippen Exkursen Joey Barons gut bekommen.

Thomas Fitterling, 27.11.2010



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