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Reunited

The Jazz Passengers

Yellowbird/Edel 1077142 YEB
(49 Min., 6/2009-2/2010, Bonus-Tracks 1995)

Dreizehn Jahre liegt die letzte Veröffentlichung der Jazz Passengers zurück. Damals war das Sextett um den Posaunisten Curtis Fowlkes und den Altsaxophonisten Roy Nathanson eine mächtig angesagte Kultband, die weit über die inneren Jazzzirkel hinaus gefeiert wurde. Zusammen mit dem Gitarristen Marc Ribot hatten sie John Luries Lounge Lizards die stilisierte Coolness mit frechen schrägen Ideen ausgetrieben. Natürlich war der nicht immer begeistert, und so war die Gründung einer eigenen Band zwangsläufig. Ungewöhnlich dabei die Besetzung: Statt weitere Bläser und Klavier nahmen die beiden neben Bass und Schlagzeug Vibraphon und Geige dazu. Alle Mitglieder hatten ihren Lebensunterhalt schon mit verschiedensten ethnischen Musiken verdient, wie sie in ihrem heimatlichen New York und dort vor allem in Brooklyn blühen. Neben dieser bewusst gelebten Vielseitigkeit und der Liebe zur Jazztradition verband die Passengers die Begeisterung für theatralisch Gestisches und surrealistische Lyrik – und das gepaart mit der Lust am Gesang. Den besorgten sie selbst und häufig auch in Zusammenarbeit mit illustren Gästen wie Elvis Costello und Deborah Harry.
Jetzt haben sie wieder zusammengefunden, frönen wieder ihrer Lust am disparaten Stilmix von funkigen Gesangs- und Bläsersätzen, free und hard boppenden Soli, sowie klezmernden Geigenriffs, agieren als Marx-Brothers des Jazz – wie sie die Kritik einmal nannte. All das kommt auf "Reunited" mit überschwänglichem Enthusiasmus daher; ungeduldig müssen die Passengers a. D. darauf gewartet haben, endlich einmal wieder gemeinsam loslegen zu dürfen. Der Eröffnungssong kommt mit grimmigem Text gleich zur Sache; Ehrengast Elvis Costello gestaltet ihn packend als dissonantisch schräge Ballade. Susi Hyldgaard ist ein weiterer, neuer Gast; mit ihr gibt es eine launige Aufbereitung von "Spanish Harlem", und Alt-Passenger-Sängerin Deborah Harry ist auf zwei Bonus-Tracks aus dem Jahre 1995 zu hören. Aber auch auf den sechs Titeln ohne Gäste liefern die Passengers eine Musik ab, die mit ihrer Vitalität, ihrem Spielwitz, ihrer Mischung von Erhabenem und Groteskem ihresgleichen sucht und mit ihrer Rasanz und Chuzpe so wohl nur im Big Apple entstehen kann. So wünscht man sich Wiedervereinigungen.

Thomas Fitterling, 20.11.2010



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