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Blurring The Lines

Minsarah

Enja/Edel 1095452EJM
(51 Min., 8/2009)

Nach den gefeierten Live-Aufnahmen im Village Vanguard als Begleittrio der Saxofonlegende Lee Konitz zeigt Minsarah mit einem fulminanten Album seine überragende Klasse als eigenständige Band. Tatsächlich waren es ja auch diese Bandqualitäten, die Lee Konitz überzeugten, den internationalen Klangkörper zu engagieren. Minsarah, das sind der deutsche Pianist Florian Weber, der amerikanische Kontrabassist Jeff Denson und der israelische Schlagzeuger Ziv Ravitz. Kennengelernt haben sich die Drei am berühmten Berklee College in Boston. Im Gegensatz zu den europäischen Klaviertrios der neuen Innerlichkeit pflegen die drei ein kraftvoll intensives Spiel, sind gewissermaßen ein mit rein akustischen Mitteln ins Expressive fortgesetztes Esbjörn-Svensson-Trio. Das muss etwas mit der Bostoner Institution zu tun haben, die sich immer wieder zwar nicht als Schmelztiegel aber doch als magischer Suppenkessel erweist, in dem köstlichstes Ratatouille gedeiht. Alle drei sind sie Virtuosen ihrer Instrumente und agieren das auch lustvoll aus, nie jedoch ohne den Bezug zum intuitiv erfassten Fluss der Improvisationen zu verlieren. Weber ist ein Meister der Beidhändigkeit, spielt sich einzigartig von Hand zu Hand Referenzen an Keith Jarrett, Cedar Walton oder auch europäisch Klassisches zu. Denson hat die Gabe, seinen Bass in einem hoch energetischen Umfeld auch einmal überzeugend und förderlich zu streichen; Zavitz schließlich ist ein Meister ausgebuffter und metrisch komplexer Rhythmik. Mögen im Sinne des Titels die Grenzen der Genres und der Traditionen auch verwischt werden, das Profil von Minsarah als eigenständigem Vertreter eines aktuellen, kraftvollen Trio-Jazz der Gleichberechtigung wird mit diesem spannenden und abwechslungsreichen Programm aus sieben Originals und zwei Standards umso mehr geschärft.

Thomas Fitterling, 06.11.2010



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