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Johann Sebastian Bach

Wohltemperiertes Klavier I u. II

Andrei Gavrilov, Joanna McGregor, Nikolai Demidenko, Angela Hewitt

Euroarts/Naxos 2050308
(260 Min., 2000/2010) 2 DVDs

Ist dieses Bildnis nicht bezaubernd schön? Dort, wo ehedem die Sänger um die vokale Krone stritten, sitzt nun, in geschmackvoller Garderobe, die Königin des Bachspiels an einem schwarz glänzenden Flügel und zelebriert zwölf Präludien und Fugen aus dem Wohltemperierten Klavier – die Nummern 13 bis 24 aus dem zweiten Band. Und wie nicht anders zu erwarten, spielt Angela Hewitt diese Stücke auch auf der Wartburg zu Eisenach mit einer federnden Geschmeidigkeit und pulsierenden Luftigkeit, dass es eine Wonne ist. Kaum jemand, nicht einmal Murray Perahia, kann ihr derzeit diesbezüglich das Wasser reichen: in der Art und Weise, wie sie das Instrument zum Klingen und Singen (und Atmen) bringt, wie sie philosophische Tiefe mit freiheitlichem Flügelschlag verbindet, Sanftheit des Anschlags mit robuster Eloquenz in der Durchdringung des Materials. Ein Glücksfall, der einer solch einschmeichelnden, ja kitschig-sentimentalen Kameraführung, wie sie generell auf diesen beiden DVDs waltet, gar nicht bedurft hätte. Denn das Bild lenkt, wenig sinnvoll, vom Klang ab. Aber das ist nun einmal (fragwürdiges, weil stilisierendes) Konzept dieser aus zwei DVDs bestehenden Einspielung. Vier Pianisten teilen sich das Wohltemperierte Klavier auf. Jeder von ihnen beschäftigt sich – an vier unterschiedlichen Orten – mit jeweils zwölf Präludien und Fugen aus dem Alten Testament des Klavierspiels. Neben Angela Hewitt ist hierbei vor allem Nikolai Demidenko, dessen Interpretation Gewicht besitzt (ihm oblag der erste Abschnitt des zweiten Bandes). Und das im buchstäblichen Sinne. Mit nicht selten an Beethoven gemahnender Energetik durchwirkt er die Stücke, zuweilen trägt sein Spiel sogar orchestrale Züge. Doch der zupackende Romantiker ist zugleich tiefer Sinnierer. Betörend so mancher ätherische Gesang, den Demidenko anstimmt. Andrei Gavrilov, er spielt die ersten zwölf Stücke des ersten Bandes, ist ihm dabei nahe, wobei sein Agieren hier und da etwas zu sehr ins Meditativ-Versponnene abdriftet, oder auch, wie im Cis-Dur-Opus, ins Mechanische. Den schwächsten Eindruck in diesem Quartett hinterlässt Joanna McGregor. Allzu leichtfertig und hölzern wirkt ihr Bach. Auch wenn es eine Wonne ist, der Britin dabei zuzuschauen, im schmucken Palau Güell zu Barcelona. Aber für schöne Bilder ist das Kino da.

Tom Persich, 04.09.2010



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