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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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Josef Suk

Klavierquartett op. 1, Klaviertrio op. 2 u.a.

Atos Trio, Martin von der Nahmer

cpo 777 470-2
(73 Min., 4/2008)

Haben wir es bereits erwähnt? Wir haben. Müssen es aber an dieser Stelle aus gegebenem Anlass wieder einmal tun. Und beklagen, dass die Musikgeschichtsschreibung eine ist, die das Lückenhafte liebt, mithin dem Hang zur Ungerechtigkeit hier und da leichtfertig verfällt. Allzu dominant ist der Kanon an Werken, den sie bedenkt. Wer auch nur ein wenig abseits der Haupttrampelpfade einherwandelt, gerät leicht ins Vergessen. Dem tschechischen Komponisten (und Geiger) Josef Suk ist dieses Malheur passiert, und das, obwohl sich seine Musik (nicht alles, aber doch einiges) auf der Höhe mit der seines Schwiegervaters, eines gewissen Antonín Dvořák, bewegt und dabei absolut autark ist. Vor allem Suks Kammermusikwerke bekunden einen stupenden Einfallsreichtum und eine strukturelle Stringenz, die auf profundes kompositorisches Können hindeutet. Anlässlich des 75. Todestages ist nun eine Aufnahme mit einigen, zumal frühen dieser kammermusikalischen Schöpfungen entstanden, darunter die Frühwerke, das Klavierquartett op. 1 und das Klaviertrio op. 2. Geradezu frappierend ist es, wie souverän schon der jugendliche Suk mit dem ihm zur Verfügung stehenden Material umzugehen weiß und wie er die (gerne melancholisch gefügten) Melodien seiner Heimat in das Korpus der Sonatenform einverleibt, ohne das Rhapsodische seines Komponierens zu desavouieren. Das Atos Trio und der Cellist Martin von der Nahmer (im Klavierquartett) erweisen sich als famose Interpreten, indem sie das Schwelgerisch-Dramatische dieser Musik betonen, aber nicht dem Irrtum erliegen, man müsse das Ganze mit allzu viel Gefühl überlappen. Der Duktus ist romantisch sehnsuchtsvoll, aber die Tongebung zugleich gestochen scharf dort, wo es notwendig erscheint. Vertikale und horizontale Spannung sind in ein glückliches Verhältnis gesetzt. Und immer wieder blitzt überdies so etwas wie keck-charmanter Spielwitz auf. Kurz: eine lohnenswerte Hommage.

Tom Persich, 05.06.2010



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin.
Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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