Responsive image
Leonard Bernstein

West Side Story (Suite), Serenade u.a.

Joshua Bell, Philharmonia Orchestra, David Zinman

Sony 89358
(62 Min.) 1 CD

Heifetz hat damit angefangen: Aus George Gershwins Broadway ("Porgy And Bess") brach er sich Zugabenstücke für den Konzertsaal. Der noch junge Amerikaner Joshua Bell ähnelt dem bekanntesten Geiger des letzten Jahrhunderts in vielem. Spieltechnisch scheint er unbezwingbar, seine Tongebung dagegen "näselt" eher, bleibt körperarm, wenig sensuell, die Pointierung ist dann wieder untrüglich. Eben amerikanisch.
William David Brohns Arrangements der Bernstein-Hits peppen authentischen Tin-Pan-Alley-Tonfall auf mit den geigerischen Raffinessen eines Paganini - das heißt auch: oft sind sie von beträchtlichem Witz. Seltsamerweise klingen sie mehr nach Bernstein als das einzige originale Bernstein-Stück auf dieser CD, die "Serenade" nach Platons "Symposion". Bernstein komponierte hier in seinem "Ich-wäre-gern-Gustav-Mahler!"-Modus, in den besten Momenten erreicht er Charles Ives, in den allerbesten ist er er selbst. Bell spielt das sehr ätherisch, sehr "pur", ähnlich wie Heifetz es gespielt hätte, und wiederum sehr sicher in den Effekten.
Auch das Orchester liebt hörbar diese eklektizistische Musik, von dem Amerikaner Zinman mit amerikanischem Show-Instinkt angeleitet. "Lonely Town" spiegelt die Absurdität wider, die auch der Monolog der Äbtissin in "The Sound Of Music" hat - in ihrer kargen Klosterzelle singt sie zur Begleitung eines hundertköpfigen Orchesters.
In der Summe ist das eine ebenso exzentrische wie akkurate Platte, ebenso naiv wie raffiniert. Amerikanisch eben. Mir hat sie großes Vergnügen bereitet. Könnte aber sein, dass sie beim nächsten Hören nur noch auf die Nerven geht - so weit ihr Radius. Guter Klang, nur die Sologeige wurde ein bisschen zu sehr in Hallwatte gepackt.

Thomas Rübenacker, 06.09.2001



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beutezüge im Barock: Manche Solisten haben das Pech, dass die größten Komponisten gerade für ihr Instrument kein Konzert geschrieben haben. Keine Trompete bei Mozart, keine Flöte bei Bach und überhaupt keine Konzerte von Schubert. Und obwohl Antonio Vivaldi dank seiner versatilen Schülerinnen in der Pietà für fast jedes erdenkliche Instrument und jede Kombination Concerti in Fülle entworfen hat – allein 39 für’s Fagott, nur seine eigene Violine hat mehr bekommen – gibt es […] mehr »


Top