Responsive image
Erik Satie

Werke für Klavier zu zwei und vier Händen

Katia Labèque, Marielle Labèque

KML recordings/Edel 1087120KML
(61 Min., 6/2009) 1 CD

War es in der letzten Zeit still geworden um die schönen Schwestern? Den Eindruck hatte man. Denn für gewöhnlich bekam die Musikwelt es auf jeden Fall mit, wenn Katia und Marielle Labèque auf ein Podium traten oder eine Aufnahme machten, war dergleichen doch stets mit Wirbel und attraktiver Aufregung verbunden. Allein, die Zeiten ändern sich. Und so zuweilen auch die Art und Weise, Klavier zu spielen. Schon das Repertoire dieser Aufnahme legt den Schluss nahe, dass ein kontemplativer Zug ins Denken (und Fühlen?) der Künstlerinnen Einzug gehalten hat – wobei man nicht außer Acht lassen darf, dass die poetischere der beiden Damen, Marielle, diese Eigenschaft schon immer besaß: den Hang zum Melancholischen, Elegischen, Weltentrückten. Nun zeigt aber auch Katia vertiefte Einsichten – so wenn sie zwei der legendären "Gymnopédies" von Eric Satie so sanft spielt, dass man dahinschmelzen möchte (bei Marielle, die das dritte dieser Stücke spielt, tut man es ohnehin). Doch irrt derjenige, der sich einlullen lässt. Da, wo es nötig ist und wo vier Hände gebraucht werden, so in Teilen der "Trois morceaux en forme de poire" und in den "Trois petites pièces montées", vernehmen wir einen deutlich schrofferen, aufgerauten, karstigen, ja garstigen Ton. Da mutiert die Musik vom schicken Möbel zu einem gleichsam in Brand gesetzten Gegenstand, dessen Flammen weit lodern. Vielleicht ist das Herbe hier und da um Nuancen übertrieben. Doch rettet derlei Zugriff den Hörer vor Sentimentalitäten – und Satie vor dem Verdacht, er sei ein Kitschkomponist. Was man gleichwohl vermisst in dieser Einspielung, ist das gewisse Etwas, dieser Hauch von Magie. Den scheinen die schönen Schwestern eingebüßt zu haben über die Jahre.

Tom Persich, 20.11.2009



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Das ging fix! In Schumanns „Haushaltsbuch“ kann man nachlesen, wenn auch gewohnt kryptisch, wie rasch er mit der Arbeit an seinem Klaviertrio op. 110 vorankam: „1. Okt. 1851 Kompositionsgedanken, 2. Okt. Triogedanken, 3. Okt. 1. Satz fertig, 4. Okt. 2. Satz, 5. Okt. 3. Satz, Freude, 27. Okt. Probe zum Trio zum ersten Mal, Freude.“ Dabei war Schumann sonst nicht unbedingt ein Schnellschreiber wie etwa Mozart. Doch die vier Sätze wirken wie aus einem Guss, wie in einem Schaffensrausch zu […] mehr »


Top