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Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 9

hr-Sinfonieorchester, Paavo Järvi

Sony Classical 88697 5457-2
(65 Min., 11/2008) 1 CD

Mit der Deutschen Kammerphilharmonie steht er für eine Synthese aus historisch informierter Aufführungspraxis und moderner Virtuosität, mit seinem zweiten deutschen Orchester gibt sich Paavo Järvi dagegen eher traditionell: Auch die zweite Folge seines Brucknerzyklus mit den hessischen Rundfunk-Sinfonikern besticht vor allem durch einen ruhigen inneren Atem und durch eine Balance zwischen großer Form und Detail, wie man sie von den Aufnahmen der Bruckner-Altmeister Günter Wand und Herbert Blomstedt kennt. Schon den Kopfsatz nimmt Järvi mit fast 28 Minuten relativ gelassen und wählt damit ein Tempo, das sowohl der Anweisung "Feierlich" gerecht wird, als auch den "Misterioso"-Charakter einlöst: Das Geheimnisvolle entsteht hier nicht durch drängende Unrast, wie etwa in dem Livemitschnitt mit Franz Welser-Möst und seinem Cleveland Orchestra (DVD, medici arts), sondern dadurch, dass die Entwicklung in jedem Moment offen scheint und die Passagen des Blechs wie Bruchstücke zu einem Ganzen klingen. Dabei verzichtet Järvi auf pathetische Zuspitzungen, sondern baut seinen Bruckner mit organischem Grundpuls, detailscharfer Tiefenstaffelung des Klangs und ruhig ausschwingenden Phrasen – eine klarsichtige Neunte aus einem Guss, konsequent bis in die erlösenden, wunderbar schwerelosen Schlusstakte des Adagios hinein. Mit diesem Zyklus muss man rechnen.

Jörg Königsdorf, 13.11.2009



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