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Home Row

Bill Carrothers, Gary Peacock, Bill Stewart

Pirouet Records/MVH PIT3035
(61 Min., 1/1992) 1 CD

Mit dem Kontrabassvirtuosen Gary Peacock im Klaviertrio als erstes Stück Ornette Colemans "When Will the Blues Leave" auf ein Album zu bannen, heißt ein kraftvolles programmatisches Statement abgeben. Paul Bley, der Ahnherr der neuen Lakonik des Klavierspiels, wie sie ja auch das Werk einer Julia Hülsmann auszeichnet, hat dieses Stück wiederholt aufgenommen und gab mit ihm auf seinem ersten ECM-Album, einer der ersten ECM-Produktionen überhaupt, ein bis heute wirksames, nachhaltiges Statement ab. "With Gary Peacock" hieß die Platte damals lakonisch. Am Schlagzeug waren Paul Motian und Bill Elgart. Im Jahr 1992, fast ein Vierteljahrhundert später, ging der damals 28-jährige Pianist Bill Carrothers mit Gary Peacock ins Studio und nahm neben acht weiteren Titeln eben dieses Ornette-Coleman-Stück auf. Auch mit den weiteren Stücken knüpfte er unmittelbar an den Bley'schen Traditionsstrang an, und es klingt, als habe er damals in diesem Prozess zu seinem heute so unverwechselbaren Personalstil gefunden, der die Fachpresse von "Querdenkertum" oder einer eigenschöpferischen Synthese von so gegensätzlichen Polen wie dem Lyrizismus eines Bill Evans und der schroff verwinkelten Kantigkeit eines Thelonious Monk schwärmen lässt.
In der Tat muss etwas Befreiendes um diese Aufnahmesession gewesen sein, denn das Trio spielt mit selbstbewusster, ja geradezu drangvoller Energie, die selbst die lyrischen Titel prägt. Das kommt nicht von ungefähr, denn auch Schlagzeuger Bill Stewart scheint hier zu seinem Personalstil zu finden. Organisch verbindet er die Vielschichtigkeit eines Tony Williams mit der großen Kunst der lakonischen Untertreibung eines Paul Motian. Gary Peacock schließlich ist der souveräne Katalysator. Durch den wunderbaren akustischen Klang seines Basses wird der einzigartige Atemstrom dieser Musik zum verzaubernden Odem – oder schlicht: diese "Home Row" ist ganz große Klasse.

Thomas Fitterling, 05.01.2009



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