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Johann Sebastian Bach

Klavierkonzerte

David Fray, Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

Virgin Classics/EMI 213 064-2
(62 Min., 1/2008, 2/2008) 1 CD

Seit jenen Tagen, als der wacker-anständige Martin Stadtfeld mit seiner verkitscht-mediokren Aufnahme der "Goldberg-Variationen" den Glauben an die Gerechtigkeit zerstörte, indem er ein Gros der Kritiker narrte, ist man doch recht vorsichtig, wenn ein Pianist sich mit einem Werk von Johann Sebastian Bach einer breiten Öffentlichkeit vorstellt. Etwas anders liegt der Fall bei dem jungen französischen Wilden David Fray, der in seiner ersten Aufnahme Bach mit Boulez koppelte, und das Ergebnis doch recht ansehnlich war. Nun hat Fray noch einen drauf gelegt und sich – auch im sprichwörtlichen Sinne – gleich selbst an die Spitze der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen gesetzt, um mit diesem famosen Kammerorchester als Pianist und Dirigent vier Bach'sche Klavierkonzerte zu interpretieren – wobei die Bezeichnung Klavierkonzert natürlich irreführend ist, wie schon Albert Schweitzer zu vermelden wusste: Die meisten "Klavier"-Konzerte sind Transkriptionen; aber das nur am Rande. Entscheidend ist, wie Fray und seine Partner daran gehen, sie in eine heutige Sprache zu übersetzen. Und das gelingt den Partnern, man kann es nicht anders sagen: ganz fabelhaft.
Das ist ein Bach, der leuchtet und mit Elan vital musiziert ist, der vor (deutsch-französischem) Esprit sprüht und doch nie parfümiert wirkt, sondern offen und direkt auf den Hörer zutritt. Nichts ist da überdehnt oder übertrieben, alles bewegt sich im richtigen Maß, folgt mithin den Gesetzen der clarté. Bestechend insbesondere das hohe rhetorische Niveau der Beteiligten: Im Dialog zwischen Klavier (wir reden natürlich von einem modernen, kernigen Flügel) und Orchester entwickelt sich ein Sog, der rhythmische Energien sowohl in sich hat als auch die gleichen freisetzt. Beeindruckender aber noch geraten die langsamen Sätze. Endlich haben wir mal wieder einen Pianisten zu gewärtigen, der singen kann, der über einen weiten Atem gebietet und über viele unterschiedliche Farben, und der insbesondere im unteren dynamischen Bereich etliche Facetten besitzt. Weiter so, Monsieur Fray! Wir warten gespannt auf das nächste Projekt. Beethoven wäre interessant. Nur dann bitte mit einem etwas bescheideneren Cover. Johnny Depp ist ohnehin cooler...

Tom Persich, 27.11.2008



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