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The End Of A Summer

Julia Hülsmann

ECM/Universal 1773156
(48 Min., 3/2008) 1 CD

Die Überraschung dieses Herbsts ist eine Überraschung wider Erwarten, schließlich ist die 40-jährige Pianistin Julia Hülsmann schon seit Jahrzehnten prominent in der Szene vertreten. Doch die exponierteren ihrer Aktivitäten waren immer in Projekte eingebunden, bei denen Sängerinnen und Sänger im Scheinwerferlicht standen. Jetzt, allein im Kontext mit ihrem schlafwandlerisch sicher und stets fantasievoll interagierenden Trio, tritt die große Kunst dieser reifen und eigenständigen Pianistin/Komponistin endlich ungeteilt zutage. Dabei darf der Umstand, dass sie dieses Trioalbum für ECM – und das nicht etwa mit anderen Stars des Labels, sondern mit ihrer eigenen Formation – einspielen durfte, als Aufnahme in den Großorden der Pianistenpoeten gewertet werden.
Wie der Albumtitel suggeriert, handelt es sich bei dem Programm dieser CD um Musik, bei der ein melancholisches Abschiedsgefühl mitschwingt, um "ein Loslassen mit einem Lächeln unter Tränen" wie die Pianistin sagt. Julia Hülsmanns große Kunst besteht nun darin, in einer sehr offenen und sparsamen Spielweise dieses Gefühl tatsächlich und intensiv zu evozieren, ohne dass da irgendwie Melancholiekitsch anklänge. Die musikalischen Mittel erinnern an Carla und Paul Bley oder auch an Marilyn Crispell, wobei Julia Hülsmann streng dem Ideal der Transparenz und Ökonomie verpflichtet ist. In der Interaktion mit dem Bassisten Marc Muellbauer und dem Schlagzeuger Heinrich Köbberling – beide sind auch als Komponisten auf der CD vertreten – wird diese Ökonomie sinnenhaft erlebbar, und so ist dieses Trio noch mehr als das Marcin Wasilewski Trio ein Musterbeispiel der heute so oft beschworenen Reduktion. Doch wie gesagt, das beglückende Erlebnis dieser Musik ist trotz der melancholischen Konnotationen alles andere als reduziert.

Thomas Fitterling, 31.10.2008



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