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Robert Schumann, Edward Elgar

Klavierquintett Es-Dur, Klavierquintett a-Moll

Lars Vogt, Christian Tetzlaff, Radoslaw Szulc, Tatjana Masurenko, Gustav Rivinius, Antje Weithaas, Claudio Bohórquez

Avi/A1!VE 8553127
(66 Min., 5/2007) 1 CD

Dies ist die reizvolle Kopplung einer „Hausnummer“ der Literatur für Klavierquintett – und eines Gattungsbeitrags, der zumindest hierzulande unbekannt ist. Schumanns Es-Dur-Werk, weit populärer als das im selben Jahr geschaffene Klavierquartett (ebenfalls Es-Dur), und das a-Moll-Werk des 61-jährigen Edward Elgar, verbindet gewissermaßen das zarteste aller Bande: Schumann scheint den späteren Freund Brahms vorwegzunehmen, Elgar hängt ihm nach in teils sehr subtilen Echos. Beide Aufnahmen halten Konzerte im Kraftwerk Heimbach fest, mit allen Unwägbarkeiten nicht geschnittener Live-Aufnahmen. „Spannungen“ heißt das Festival, das der Pianist Lars Vogt dort leitet, allerdings sind diese ziemlich abwesend bei Schumanns op. 44. Vogt ist ein eher preziöser Musiker mit Hang zum Weichspülen, und über weite Strecken gibt er hier den Ton vor – was völlig legitim ist, aber das Obsessive in diesem Komponisten nahezu ausblendet. Er klingt harmloser, als er war. „Gekonnt“ ist das ohne Zweifel, aber das hernach ausrastende Publikum kann nicht davon überzeugen, dass eine elektrifizierende Interpretation stattgefunden hätte.
Besser erging's Elgar, der hier auf affirmative Rhetorik à la „Pomp and Circumstance“ völlig verzichtet und trotz gelegentlichem Abschweifen in saloneske Süße eine vom Ersten Weltkrieg „gebrochene“ Sensibilität zeigt. Lars Vogts abgezirkeltes Klavierspiel ließ sich hier erschüttern, und wieder gab er den Ton vor: Auch die Streicher spielen identifikativer, aus dem Moment heraus befeuerter. Was natürlich auch damit zu tun haben kann, dass Antje Weithaas die erste Geige gibt statt des nüchterneren Christian Tetzlaff, und der Cellopart ist bei Claudio Bohórquez in jüngeren, „hungrigeren“, wagnisfreudigeren Händen als Schumann bei Gustav Rivinius. Der langsame Satz verstört geradezu von diesem Meister des gediegenen nobilmente; er tastet nach dem Wohlklang vergangener Zeiten, findet aber nur noch Bruchstücke, Gesten, Ansätze, bleibt letztlich „unerlöst“. Ein großes (und noch dazu kaum bekanntes) Werk in einer großen Interpretation, da lohnt es sich schon, diese Veröffentlichung zu kaufen. Dass der Schumann gut gelungen ist, aber nicht so recht „zündet“, ist ja schließlich auch kein Verbrechen.

Thomas Rübenacker, 29.08.2008



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