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Diverse

Music For Two Pianos

Martha Argerich, Gabriela Montero, Lilya Zilberstein, Polina Leschenko, Yefim Bronfman, Giorgia Tomassi

EMI Classics 207 623-2
(146 Min., 2002 - 2005) 2 CDs

Seit Langem schon scheut sie das Alleinsein. Zumindest auf der Bühne tritt uns Martha Argerich, so sie sich überhaupt überwindet (oder überwunden wird), diese zu erklimmen, in Begleitung anderer Musiker entgegen. Sie fühlt sich wohler, sicherer. Und wir, die ewig treuen Liebhaber ihrer Kunst, müssen uns nicht grämen: einmal, da ja ohnehin, was sie solistisch aufgenommen hat, im Plattenschrank liegt, an heiliger Stelle; und zum Zweiten, weil wir so in den Genuss von Kompositionen kommen, die im Konzertbetrieb nicht unbedingt zum Alltag zählen. Die vorliegende Doppel-CD, ein Kompendium aus den Konzerten beim Lugano Festival von 2002 bis 2005, bietet diesbezüglich einige Preziosen. Wie zum Beispiel die „Nussknacker“-Suite von Tschaikowsky in der Version für zwei Klaviere, bei der Martha Argerich die junge Mirabela Dina an ihrer Seite hat. So vergnüglich diese Musik ist, so groß ist das Vergnügen mitzuerleben, wie die beiden Frauen das Stück beleben und zum Funkeln bringen. Charmant, charaktervoll, charismatisch ist diese Wiedergabe und im Blumenwalzer gar von einer tänzerischen Grazie, die im übertragenen Sinn unbeschwerte Saalmomente beschert. Natürlich kann La Martha auch ganz anders: nämlich zulangen. Und so greift sie sowohl in der Suite Nr. 2 (mit dem ewigen Talent Gabriela Montero) und in den „Six morceaux“ (mit der ewig eleganten Lylia Zilberstein) von Rachmaninow zuweilen kräftig und zuweilen auch trivial in die Tasten, dass der pianistische Staub nur so aufwirbelt. Das ist klang- wie geräuschvoll, immer nahe am Feuer gebaut, und nicht selten nahe an der Ekstase, bezwingt aber ebenso gut in den lyrisch verinnerlichten, weltabgeschiedenen Passagen beider Werke. Beeindruckend dabei die Leichthändigkeit und Expressivität, mit der alles vonstattengeht; so als sei diese Pianistin ein ewiger Jungbrunnen, gefüllt mit pianistischen Naturkräften, die nie zu versiegen drohen. Bestes Beispiel sind die beiden Brahmse, die f-Moll-Sonate (mit Zilberstein) und die Haydn-Variationen (mit einem weiteren ewigen Talent: Polina Leschenko), in denen es gelingt, die sinfonischen Gewalten gleichzeitig zu bannen und zu entfesseln. Und je heftiger die Eruptionen, umso faszinierender die Ruhe nach ihnen, der Atembeinahestillstand, wo nichts ist als reiner Klang.
Am Schluss der Aufnahme ein Schmankerl: Lutoslawskis Paganini-Variationen (mit dem dritten ewigen Talent: Giorgia Tomassi). Und wieder zeigt uns Martha Argerich, welches Kraftwerk der Gefühle sie am Klavier ist. Schillernd, irrlichternd, sprühend saust das Stück über uns hinweg. Wir genießen es, allenthalben liegend. Und gestehen freimütig: Noch lieber hätten wir es, wenn sie allein(e) für uns spielt.

Tom Persich, 23.08.2008



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