Auch Vincenzo Bellini hat nicht nur endlose Koloraturgirlanden komponiert und die zu Recht berühmten schwebenden Melodien des romantischen Belcanto, sondern auch Meterware für den schnellen Gebrauch in der Kirche. Das Handwerk lernte er bei seinem Vater und Großvater, die beide als Domkapellmeister arbeiteten. Zum ersten Mal wurden nun zwei Messen aus den frühen Jahren seines kurzen Lebens eingespielt. Die sind allerdings nur als Sammelobjekt für eingefleischte Fans zu empfehlen, die wirklich jede eingespielte Note ihres Idols im Schrank haben wollen. Bellini steht noch fest in den Traditionen des 18. Jahrhunderts, orientiert sich an den Konventionen der neapolitanischen Vokalmusik. Jede harmonische Wendung ist vorhersehbar, keine Überraschung darf die Konzentration auf die liturgischen Handlungen stören. Auch in seinen größten Meisterwerken ist Bellini kaum als großer Meister der Orchesterfarben bekannt. So kann es auch nicht überraschen, dass in diesen Messen Hörner und Oboen nur ganz konventionell die Harmonien halten dürfen. Orchester und Chor "Accademia I Filarmonici" geben einen authentischen Einblick in das Musikleben Italiens, das sich außerhalb der wenigen Musikzentren eher bescheiden zeigt. Die Aufnahme klingt, als wäre sie in einem weitgehend akustikfreien Gemeindezentrum mit nur einem mittelmäßigen Stereomikrofon entstanden, um das sich die Solisten drängeln mussten. Die singen allerdings recht schön und sauber, der Bass Lorenzo Regazzo sogar außerordentlich elegant. Dirigent Maurizio Ciampi hält alle Beteiligten recht ambitionslos beieinander.

Uwe Friedrich, 11.07.2008



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